Attrappe auf der Pritsche – Wieder Häftling aus Berliner JVA geflohen

Mit einer filmreifen Täuschung ist ein Häftling aus der JVA Tegel entwischt. Es ist der zehnte Flüchtige in sechs Wochen.

JVA Tegel in Berlin

Berlin (dpa) – Erneut ist ein Häftling aus dem Berliner Strafvollzug geflohen – er täuschte die Bediensteten im Gefängnis Tegel mit einer Attrappe in seinem Bett. Der Mann hatte die Umrisse eines Körpers unter der Bettdecke aus Kleidung, Toilettenpapier und Stoffresten sowie einer Mütze geformt. Bei der Zählung nach einer Freistunde habe er mit diesem Trick den Eindruck erweckt, dass er dort liege.

Das Fehlen des Häftlings wurde in der Justizvollzugsanstalt erst heute Morgen bemerkt, er sei aber höchstwahrscheinlich schon gestern geflohen. «Wir wissen nicht, auf welchem Weg», sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Es war die zehnte Flucht innerhalb von sechs Wochen.

Versorgungs-Lkw zur Flucht genutzt? 
Die Justizverwaltung prüft jetzt, ob der 24-Jährige aus Libyen mit einem Lastwagen entkam. Gestern hatte der Laster samt Anhänger Waren in die Anstalt gebracht. Der Fahrer des Wagens wurde vernommen worden, er steht nicht unter Verdacht. Der Gefangene war zu mehreren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Eine vierjährige Haft wegen räuberischer Erpressung sollte bis September 2022 dauern.

Ob die erneute Flucht auf fehlende Bedienstete zurückgeht, blieb offen. Behrendt verwies aber auf die angespannte Situation. «Aufklärung steht im Vordergrund.» Er werde dem Parlament Rede und Antwort stehen. «Alles andere wird sich dann zeigen.»

Nach Weihnachten waren vier Strafgefangene aus dem geschlossenen Teil der Anstalt Plötzensee ausgebrochen sowie fünf Männer aus dem offenen Vollzug entwichen. Die Strafgefangenen sind zurück, von der anderen Gruppe fehlt noch einer.

Archivfoto: Paul Zinken / dpa

08.02.2018  wel