Bezness auf dem Vormarsch

Neue Form des Liebesbetrugs

(XY-Spezial vom 04. Oktober 2017)
Der Begriff „Bezness“ setzt sich aus den Begriffen „Beziehung“ und „Business“ zusammen. Für die oft weiblichen Opfer beginnt die vermeintlich große Liebe im Urlaub. Ein einheimischer Mann bemüht sich um die Urlauberin, umgarnt und schmeichelt ihr. In Wirklichkeit hat er aber nur ein Ziel: sein ahnungsloses Opfer finanziell auszunehmen.

XY-Szenenfoto

Eine Frau aus Reutlingen verbringt regelmäßig ihren Urlaub in Ägypten. Im Hotel bemüht sich einer der Angestellten besonders um sie. Ali schmeichelt der 38-Jährigen, macht ihr Komplimente. Es kommt zu mehreren Treffen. Relativ schnell spricht der Ägypter von der ganz großen Liebe. Trotz einer anfänglichen Skepsis der Reutlingerin bleibt er am Ball. Und er erreicht schließlich sein Ziel: Die 38-Jährige verliebt sich in ihn.

„Orfi-Vertrag“ abgeschlossen
Die Gesetze in Ägypten sind streng. Ein enger Kontakt zwischen Einheimischen und Urlaubern ist streng verboten. Doch es gibt einen Weg, dies zu umgehen: der so genannte „Orfi-Vertrag“ – eine Art vorübergehende Ehe, die nur im Touristenort gültig ist. Ali überredet seine neue Lebensgefährtin, einen solchen Vertrag einzugehen.

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Doch das ist erst der Anfang. Der Ägypter drängt bald auf eine „richtige“ Hochzeit. Zusammen in Deutschland – so der Plan – will das Paar glücklich werden. Doch bereits kurz nach seiner Einreise fordert Ali mehr Geld. Immer wieder gibt er triftige Gründe für seine Geldforderungen an: Mal geht es seinem Bruder schlecht, mal braucht seine Mutter eine Brille. Immer wieder streitet sich das frisch gebackene Ehepaar ums Geld, denn längst ist die Ehefrau an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten.

Ziel: deutsche Staatsbürgerschaft
Schließlich bekommt Ali den positiven Bescheid für die deutsche Staatsbürgerschaft. Sein Verhalten ändert sich schlagartig. Er beendet sofort die Beziehung, macht seiner Frau Vorwürfe, weil sie ihm kaum Geld gegeben habe. Kurz darauf wird auch klar: Die Reutlingerin war nicht die einzige Frau, die Ali um Geld gebeten hat. Er hatte gleichzeitig mehrere Beziehungen zu zahlreichen anderen Frauen.

Vor allem typische Urlaubsländer in Nordafrika sowie die Karibik und Brasilien sind vom so genannten „Bezness“ betroffen. Allein aus Tunesien werden laut Experten rund 1.800 schwere Betrugsfälle gemeldet. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch, weil sich viele Frauen schämen, blind vor Liebe gewesen zu sein. Doch auch immer mehr Männer sind vom Liebesschwindel betroffen. In Deutschland wird „Bezness“ bislang nicht als Straftat angesehen.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Bleiben Sie bei Urlaubsbekanntschaften skeptisch! Werden Sie hellhörig, wenn er (oder sie) ständig nach Geld fragt!
  • Lassen Sie sich einen Ausweis zeigen und machen Sie eine Kopie! Wenn er ehrlich ist, wird er nichts dagegen haben.
  • Bezahlen Sie nichts! Kein Essen, keinen Discobesuch, kein Handy – auch wenn das „Helfersyndrom“ zu siegen droht!
  • Täuschen Sie Schulden vor! Wenn er Sie tatsächlich mag, wird es ihm nichts ausmachen!