BVB-Attentat: Es ging um Aktien – Polizei nimmt tatverdächtigen Spekulanten fest

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus der Dortmunder scheint keinen terroristischen Hintergrund zu haben. Die Polizei nahm nun einen Mann fest, der wohl durch einen infolge des Anschlags verursachten Kursverlust der BVB-Aktie einen Millionengewinn erzielen wollte.

Drei Explosionen erschütterten den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund bei der Abfahrt zum Championsleague-Spiel. Trotz Panzerverglasung wurden mehrere Fenster lädiert. Ein Spieler und ein Polizist wurden verletzt.

Berlin (dpa) – Anderthalb Wochen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat die Polizei heute, am frühen Morgen im Raum Tübingen einen 28-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft scheint der mutmaßliche Täter wohl auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt zu haben. Dadurch hätte er einen Millionengewinn einstreichen können.

Der Verdächtige sei ein 28-Jähriger mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Mann kennt sich bestens im Bereich Elektrotechnik aus. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 28-Jährige in der Lage ist, eine professionelle Bombe und eine simultane Fernzündung zu bauen. Der von der Bundesanwaltschaft als Sergej W. benannte Verdächtige soll im Juli 2015 einen Schulpreis im Bereich Elektronik und Betriebstechnik gewonnen haben. Seit Mitte 2016 ist er als Elektriker in einem Tübinger Heizkraftwerk tätig

Polizeiaktionen in Baden-Württemberg  
Am Dienstag vergangener Woche waren vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco drei Sprengsätze am Mannschaftshotel gezündet worden, während der BVB-Bus vorbeifuhr. Dabei wurde der Abwehrspieler Marc Bartra in dem Fahrzeug von Splittern getroffen und schwer verletzt. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) liefen heute Morgen Polizeiaktionen gegen insgesamt vier unterschiedliche Objekte in Baden-Württemberg. Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte am 11. April – dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus – 15.000 Verkaufsoptionen für 78.000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni gehabt. Der Kauf wurde demnach über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt. Der Beschuldigte habe die Papiere über einen Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert, heißt es.


Aktiendeals: Wie funktioniert eine Verkaufs- oder Put-Option
Im Grunde handelt es sich um eine Wette: Ein Investor spekuliert darauf, dass ein Kurs fällt, die andere Seite – oft eine Bank – hält dagegen und bekommt dafür eine kleine Prämie. Rutscht nun beispielsweise die BVB-Aktie tatsächlich unter den zwischen beiden Seiten vereinbarten Preis, kann der Investor die Differenz praktisch als Gewinn einstreichen.
Vor allem wenn der Kursrutsch schnell und heftig ausfällt, rechnet sich das für den Investor. Es winkt ihm die Chance, binnen kürzester Zeit seinen Kapitaleinsatz zu vervielfachen. Anders gesagt: Es lassen sich bei Optionsgeschäften mit vergleichsweise geringen Einsätzen große Summen verdienen. (dpa)


Wegen möglichem Millionendeal Bomben gezündet
Der Käufer spekulierte laut GBA auf fallende Kurse – die Höhe des Gewinns hänge von der Höhe des Kursverlustes ab. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Verdächtige sei wie die Mannschaft Gast im Mannschaftshotel gewesen und habe dort bereits am 9. April ein Zimmer im Dachgeschoss mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen.

Die BVB-Spieler waren kurz vor dem Anschlag mit ihrem Bus vom Mannschaftshotel zum Champions League-Hinspiel gegen den AS Monaco abgefahren. Die drei Sprengsätze waren in einer Hecke in der Nähe des Hotels versteckt. Das Spiel war dann wegen des Anschlags um einen Tag verschoben worden.

Seit einer Woche im Visier der Fahnder  
Nach Informationen der «Bild»-Zeitung stammt der Tatverdächtige aus Freudenstadt in Baden-Württemberg. Er sei seit 13. April per Haftbefehl wegen 20-fachen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion gesucht worden. Laut Generalbundesanwalt waren an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamts sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt. Angeblich sucht die Polizei zurzeit nach zwei Komplizen des 28-Jährigen. Die beiden sollen einen Leihwagen in Freudenstadt abgeholt haben, in dem dann möglicherweise die Sprengsätze nach Dortmund gebracht worden seien.

Die Sprengsätze waren dem Generalbundesanwalt zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. Die Sprengwirkung der mit Metallstiften bestückten Sprengsätze sei auf den Bus ausgerichtet gewesen. Ein Metallstift sei noch in einer Entfernung von 250 Metern aufgefunden worden. Die Zündung sei nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung erfolgt. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen – so die Ermittler – noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Foto: Bernd Thissen / dpa

21.04.2017  wel