Cyber-Angriffen zuvorkommen – Verfassungsschutz warnt vor Sabotage-Akten

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sieht Deutschland im Fokus ausländischer Geheimdienste. Er fordert neue Befugnisse, um Hacker-Attacken frühzeitig auszubremsen.

Berlin (dpa) – Deutschland muss Cyber-Angriffen nach Ansicht von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen mit eigenen Präventivschlägen zuvorkommen. Vor einer bevorstehenden Sabotage-Aktion aus dem Ausland müsse man in der Lage sein, den Gegner so zu schädigen, dass die Attacke keinen Erfolg habe, sagte er heute im ARD-Morgenmagazin. «Und darüber muss diskutiert werden, gesprochen werden und entschieden werden, ob wir derartige  Befugnisse, wir als Sicherheitsgemeinschaft in Deutschland, bekommen.»

Maaßen sprach in diesem Zusammenhang von «Hack-Back», also einem Gegenangriff auf Eindringlinge im Datennetz, für den bislang allerdings eine rechtliche Grundlage fehlt. Im rbb-Inforadio bekräftigte er, Deutschland stehe im Fokus ausländischer Nachrichtendienste. Ziel der Gegner sei es, Sabotage-Akte vorzubereiten, indem Schadprogramme in kritische Infrastrukturen eingespeist würden – «um vielleicht für den Zeitpunkt X, wenn es zu einer politischen   Auseinandersetzung kommen sollte, diese scharf zu schalten».

Sicherheis-Symposium in Berlin 
Unter kritischer Infrastruktur versteht man Anlagen oder Systeme, die für die Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind, wie zum Beispiel die Strom- und Wasserversorgung. Maaßen spricht heute in Berlin auf einem Symposium des Bundesamts für Verfassungsschutz zum Thema «Hybride Bedrohungen – Vernetzte Antworten». Am Mittag gibt es ein Forum zum Thema «Wie abwehrbereit ist der Staat?», an dem auch der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, und BND-Präsident Bruno Kahl teilnehmen.

Maaßen erinnerte im rbb an den Cyberangriff auf ein ukrainisches Kraftwerk Ende 2015. Zeitgleich habe man auch einen Angriff auf deutsche Einrichtungen festgestellt. «Der gleiche  Angreifer mit der gleichen Schadware hat auch versucht, deutsche Infrastruktur anzugreifen.» Für den Angriff hatten die deutschen Sicherheitsbehörden seinerzeit Russland verantwortlich gemacht.

Deutschland bietet große Angriffsfläche 
Die Gefahr sei den Trägern der kritischen Infrastrukturen bekannt, so Maaßen, und diese stellten sich darauf ein. Deutschland biete jedoch eine große Angriffsfläche, «weil vieles, wenn nicht sogar mittlerweile fast alles, mit dem Internet vernetzt ist». Eine einzige Schwachstelle reiche dem Angreifer aus. Angewendet würden solche Maßnahmen dann, «wenn es auf politischem der diplomatischem Parkett für das Gegenüber nicht mehr weitergeht».

Symbolfoto:  Felix Kästle / dpa 

14.05.2018  wel