Erfolge und Pannen – Viele Verbrechen durch DNA geklärt

Blut, Speichel, Haare: Oft hinterlassen Täter am Ort einer Straftat Spuren. Die Kriminalistik macht sich dies zunutze, indem sie sie sichert und speichert. Sie können dann zur Überführung der Täter dienen.

Eine Labor-Mitarbeiterin separiert im DNA-Labor des Bayerischen Landeskriminalamts in München DNA-Proben.

VON JÖRG ABERGER  (dpa)
Die Analyse von menschlichem Erbgut wird für die Polizei immer wichtiger. Beim Fachdezernat Biologie des Landeskriminalamts Thüringen werden jährlich etwa 8.000 DNA-Untersuchungen in Auftrag gegeben. Dabei liegt die Zahl der zu untersuchenden Spuren bei über 40.000, da meist mehrere Proben genommen werden müssen, wie Katharina Rießland, Sprecherin des Landeskriminalamts, erklärt. «Hierbei ist in den letzten Jahren eine stetig steigende Tendenz zu verzeichnen.»

Im vergangenen Jahr gab es den Angaben zufolge in der bundesweiten DNA-Datei 1.303 Treffer für Thüringen, bei denen Tatortspuren einer Person beziehungsweise Personenmuster einer Spur zugeordnet werden konnten. Hinzu kommen Übereinstimmungen, die in DNA-Dateien in 20 EU-Staaten nachgewiesen wurden. Von insgesamt 456 automatisch angezeigten möglichen DNA-Muster-Übereinstimmungen für Thüringen konnten nach Überprüfung 202 als Treffer bestätigt werden. In der bundesweiten DNA-Datei sind aus Thüringen fast 16.000 Datensätze hinterlegt. Sie stammen von Personen, außerdem enthält die Datei gut 11.000 Spurendatensätze.

Nach 30 Jahren noch DNA
Dass DNA-Spuren auch nach Jahrzehnten noch Täter überführen können, zeigte jüngst das Beispiel eines Frührentners aus Gera. Der 62 Jahre alte Mann wurde im August in Zwickau wegen eines 30 Jahre zurückliegenden Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. An einem Kleidungsstück des 18 Jahre alten weiblichen Mordopfers war DNA des Mannes gefunden worden. Moderne Analysemethoden ermöglichten die Entnahme der Proben.

Auch in Vermisstenfällen ist die DNA häufig ein brauchbares Hilfsmittel. So wurde erst im September eine stark verweste Leiche in Erfurt gefunden. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine 86-Jährige, die seit Anfang August vermisst worden war. Ein Gewaltverbrechen konnte die Polizei in dem Fall ausschließen.

Es war nicht Friedrich Schiller 
Selbst historische Irrtümer konnten durch DNA-Analysen bereits aufgeklärt werden. Jahrzehntelang waren Historiker der Meinung, ein auf dem Historischen Friedhof Weimar in einem Sarg bestatteter Schädel sei der des Dichterfürsten Friedrich Schiller (1759-1805). Ein internationales Forscherteam wies jedoch zwischen 2006 und 2008 durch die DNA nach, dass er nicht dem Dichter zuzuordnen war.

Eine Panne gab es im Zusammenhang mit DNA-Spuren von zwei der schwersten Verbrechen der vergangenen Jahre: Dem Mordfall Peggy und der Mordserie des rechtsterroristischen «Nationalsozialistischen Untergrunds». Das damals neun Jahre alte Mädchen war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden, seine sterblichen Überreste wurden im vergangenen Jahr in einem Waldgebiet zwischen Bayern und Thüringen gefunden. Bei der Auswertung der sichergestellten Proben wurden DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt.

Unsauber gearbeitet? 
Es stellte sich heraus, dass einige Thüringer Kriminaltechniker, die den Fundort von Peggys Knochen untersucht hatten, auch Spuren im ausgebrannten NSU-Wohnmobil in Eisenach gesichert hatten. Wie es zu der Übertragung kam, konnte bisher nicht geklärt werden.

Grundsätzlich aber gilt: Die DNA-Analyse von hinterlassenen Spuren wie Blut, Sperma, Speichel oder Haaren ist nach wie vor eines der wichtigsten Instrumente der Kriminaltechnik. «Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um schwere und schwerste Kriminalität oder Alltagskriminalität handelt», so LKA-Sprecherin Rießland. «Für Letzteres seien hier nur die Ermittlungserfolge bei bandenmäßigen Wohnungseinbrüchen oder Diebstahlsdelikten genannt, die erst mit maßgeblicher Hilfe der DNA-Analytik möglich wurden.»

Archivfoto:  Maurizio Gambarini / dpa

07.10.2017  wel