Feuergefecht in ehemaliger Kaserne – Mordverdächtiger erschießt sich

Ein mutmaßlicher Mörder verschanzt sich im Wald auf einem alten Militärgelände und schießt auf Polizisten. Rund zwölf Stunden dauert der Großeinsatz der Polizei in Königsbrück. Am Ende ist ein Beamter verletzt – der Täter hat sich umgebracht.

In diesem Haus hat sich der gesuchte mutmaßliche Gewalttäter verschanzt und schließlich umgebracht.

VON KRISTIN KRUTHAUP  (dpa)
Ein heruntergekommenes, einstöckiges Backsteinhaus ohne Fenster mitten im Wald: An diesem Geisterort bei Königsbrück geht gestern Abend ein rund zwölfstündiger Großeinsatz der Polizei zu Ende. Im Dachgeschoss findet die Polizei  einen 33-jährigen ehemaligen  Bundeswehrsoldaten leblos auf. Sie geht davon aus, dass sich der Mann erschossen hat. Über Stunden hatte er sich zuvor dort verschanzt und wiederholt auf Beamte geschossen – ein GSG-9-Beamter wurde dabei verletzt. «Das ist das Ende einer traurigen Geschichte», sagte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar am Abend am Einsatzort beim sächsischen Königsbrück. Aber er zeigte sich auch erleichtert, dass die insgesamt drei Tage laufende Fahndung nach dem Mann nun beendet ist.

Der 33-jährige steht im Verdacht, seine 75 Jahre alte Nachbarin getötet zu haben. Die Frau war am Samstag mit mehreren Stichverletzungen in ihrer Wohnung gefunden worden. Schnell geriet der gelernte Elektriker unter Tatverdacht. Nach ihm wurde öffentlich gefahndet. Nach Zeugenhinweisen auf ein gesuchtes Fahrzeug durchkämmte die Polizei gestern das Waldgebiet bei Königsbrück.

Geeignetes Gelände zum Verstecken 
Rund 20 Ruinen stehen auf dem seit Jahren nicht mehr genutzten Militärgelände bei Königsbrück. Darunter sind zahlreiche Schuppen – die Gebäude sind miteinander verbunden. Der 33-Jährige soll in der Nähe aufgewachsen sein und sich auf dem Gelände gut ausgekannt haben. «Das ist ein super geeignetes Gelände sich hier zu verstecken», sagte Kretzschmar.

Der Polizei gelang es zunächst über Stunden auch nicht, den Sportschützen zu stellen. Beim ersten Zugriffsversuch wurde ein Diensthund durch ein Projektil getroffen. Versuche der Verhandlungsgruppe, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen, scheiterten.

Polizeieinsatz am Vatertag nicht verkraftet 
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen ehemaligen Bundeswehrsoldaten, der in Bosnien im Auslandseinsatz war. Sein Motiv soll in einem Polizeieinsatz bei ihm am Himmelfahrtstag begründet sein. Nachbarn hatten am vergangenen Donnerstag die Beamten alarmiert, weil der 33-Jährige im Alkoholrausch randalierte. Der Mann war wegen aggressiven Verhaltens für eine Nacht in Gewahrsam genommen worden.

Der Polizei zufolge waren am Donnerstag in der Wohnung zudem mehrere Waffen festgestellt und vorsorglich in Verwahrung genommen worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers handelte es sich dabei um fünf Gewehre und zwei Pistolen. Der Sportschütze hatte eine Waffenbesitzkarte. Die Waffenbehörde der Stadt Dresden war über das Vorkommnis informiert worden.

Der Mann soll den Polizeieinsatz als so demütigend empfunden haben, dass er Rache an seiner Nachbarin sowie auch an der Polizei nehmen wollte, so ein Polizeisprecher gestern.

Roboter entdeckt den Toten 
Bei der Fahndung und dem Einsatz waren insgesamt rund 650 Polizisten aus Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt sowie von der Bundespolizei im Einsatz. Allein gestern waren 270 Einsatzkräfte im Bereich Königsbrück an der Aktion beteiligt.

Das Ende des Einsatzes wurde dann durch einen Roboter eingeläutet: Er wurde in das Dachgeschoss gefahren, um niemanden in Gefahr zu bringen. Dabei entdeckte er den leblosen Körper.Der Ex-Soldat hat er sich mit einem Kopfschuss selbst getötet. Dem verletzten GSG-9-Beamten geht es den Umständen entsprechend gut. Er hat einen Durchschuss erlitten.

Die Polizei will nun ermitteln, woher der 33-Jährige die Tatwaffe hatte. Es wird nicht ausgeschlossen, dass er die Pistole der Marke .356 Smith and Wesson aus seinem Schützenverein mitgehen ließ. Zu Hause bei dem Mann hatte man sieben Feuerwaffen gefunden und sichergestellt.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

15.05.2018  wel