Handeln statt Schweigen – Tipps gegen Mobbing

Mobbing trifft vor allem Frauen – nämlich in fast 80 Prozent der Fälle. Meist wird „schlechtes Arbeitsklima“ als Ursache für den Angriff am Arbeitsplatz genannt.

Seien Sie aktiv! Handeln Sie, anstatt Feinseligkeiten passiv zu erdulden. Das heißt: Lassen Sie Mobbing erst gar nicht zum Riesenproblem werden! Die täglichen kleinen Kriege gegen Sie und andere dürfen nicht als banal unter den Teppich gekehrt werden. Seien Sie aufmerksam schon bei „kleinen“ Frechheiten! Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie gemobbt werden, dann gehen Sie auf die anderen zu. Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft. Ein eventueller Konflikt wird so nicht mehr weiter verschärft.

Der richtige Ort, die richtige Zeit
Ein wichtiges Gespräch braucht das passende Umfeld. Nicht im Aufzug oder Gang, es sollte in Ruhe stattfinden. Ein separater Tisch in einem abgeschlossenen Raum eignet sich gut. Kündigen Sie Ihren Gesprächswunsch vorher an, dann fühlt sich niemand überfallen!

Schieben Sie das Gespräch nicht lange auf, lassen Sie kein „Sündenregister“ zusammenkommen!

Werden Sie beim Gespräch konkret: „Es verletzt mich, wenn Sie mich vor anderen unsachlich kritisieren.“ Nennen Sie ein Beispiel unsachlicher Kritik oder einer anderen Verletzung! Es kommt vor, dass es den Kollegen manchmal gar nicht bewusst ist, dass sie mobben.

Schildern Sie die Auswirkungen
Erzählen Sie, dass Sie Magenschmerzen haben, schlecht schlafen, von Kopfschmerzen gequält sind! Drücken Sie dabei aber nicht auf die Tränendrüse, das macht Sie in den Augen Ihres Gegenübers noch schwächer. Trotzdem soll der andere wissen, was er ausgelöst hat.

Machen Sie deutlich, dass Sie Wert auf eine gute Zusammenarbeit legen! Unterwerfen Sie sich im Gespräch nicht der Meinung des anderen! Wenn die Meinungen auseinander gehen, darf das so sein. Sagen Sie nicht: „Sie sind schuld daran, dass es mir schlecht geht.“ Besser: „Ich erlebe die Situation folgendermaßen …“

Stellen Sie keine „Gegenmannschaft“ auf!
Wenn Sie sich nicht-mobbenden Kollegen anvertraut haben, versuchen Sie nicht, den Mobbern durch Gegenmobbing zu antworten! Sie ziehen den Graben nur noch tiefer und machen eine Konfliktbewältigung fast unlösbar.

Wenn es nicht hilft, den Mobber zur Rede zu stellen, wenden Sie sich an Ihren Vorgesetzten! Er muss über den Konflikt Bescheid wissen. Schließlich liegt jeder Führungsperson an einem friedlichen und produktiven Miteinander. Sollte dies auch nicht helfen, lassen Sie keine weitere Zeit vergehen, sondern holen Sie sich Hilfe von außen!

Die meisten großen Unternehmen bieten innerbetriebliche Möglichkeiten zur Konfliktbeseitigung an. Nehmen Sie die Hilfsangebote des Personal- oder Betriebsrates in Anspruch! Er ist bei einer begründeten Beschwerde verpflichtet, Ihnen zu helfen! Und er hat darauf zu achten, dass der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nachkommt und das Betriebsverfassungsgesetz eingehalten wird.
Anlaufstellen sind zum Beispiel auch die Beratungseinrichtungen bei Gewerkschaften, Krankenkassen, kirchliche Einrichtungen, Ärzte oder Selbsthilfegruppen.

Machen Sie sich Notizen!
Um die Mobbing-Vorkommnisse auch für unbeteiligte Dritte nachvollziehbar zu machen, sollten Sie ein Mobbing-Tagebuch führen. Schreiben Sie sich auf, wenn Sie gemobbt werden, wenn jemand Sie verletzt hat! Notieren Sie die Umstände, gegebenenfalls den Wortlaut! Wenn Sie später ein Gespräch führen, ist das eine sinnvolle Gedächtnisstütze. Meist fragt Sie das Gegenüber: „Wann soll das gewesen sein? Was soll konkret passiert sein?“

Sollten alle innerbetrieblichen Schlichtungsversuche scheitern, kann jeder Beweis später von juristischer Bedeutung sein.

Zeigen Sie Zivilcourage!
Wenn Sie bei disqualifizierenden Bemerkungen über Dritte (in deren Abwesenheit) einschreiten, hat das auch positive Auswirkungen für Sie. Wer schweigt, wenn ein anderer schlecht gemacht wird, gilt als Mitläufer. Er bietet sich unbewusst anderen ebenfalls als Mobbing-Opfer an.

In jeder Krise steckt auch eine Chance. Denken Sie über eine Auszeit nach, um in Ruhe die Möglichkeit einer beruflichen Veränderung auszuloten! Nehmen Sie sich deshalb Zeit, den Stellenwert der Arbeit in Ihrem Leben zu überdenken und möglicherweise eine neue Lebensperspektive zu entwerfen!