Im Kuchen war Cannabis – Mitarbeiterinnen in Flüchtlingsheim vergiftet

Ein Jugendlicher lädt zwei Mitarbeiterinnen einer Bremer Flüchtlingsunterkunft zum Kuchenessen ein. Kurze Zeit später kommen die Frauen mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus, eine schwebte kurzzeitig sogar in Lebensgefahr. Im Kuchen war vermutlich Cannabis.

In dieser Flüchtlingsunterkunft haben sich zwei Mitarbeiterinnen mit Kuchen vergiftet. Eine «Zutat» war offensichtlich Rauschgift.

Bremen (dpa) – Zwei Mitarbeiterinnen einer Bremer Flüchtlingsunterkunft sind nach dem Verzehr eines Kuchens mit Cannabis ins Krankenhaus gekommen. Eine von ihnen schwebte zunächst sogar in Lebensgefahr. Im Laufe des Freitags besserte sich ihr Zustand, sie muss aber weiter im Krankenhaus bleiben Wie die Polizei mitteilte, hatte ein 16 Jahre alter Bewohner der Unterkunft die beiden Frauen im Alter von 25 und 62 Jahren am Mittwochnachmittag zum Kuchenessen eingeladen. Kurz danach klagten die beiden über Übelkeit und wurden in Krankenhäuser gebracht. Bei der 25-Jährigen bestehe Lebensgefahr, sagte eine Polizeisprecherin. «Sie hat schlimmste Komplikationen erlitten.» In den Kuchenresten fanden die Beamten «deutliche Spuren von Cannabis».

Die Polizei nahm den Jugendlichen vorläufig fest. Er gab an, das Backwerk von einem Bekannten aus Niedersachsen geschenkt bekommen zu haben. Die Polizei ermittelt jetzt gegen ihn wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Sie untersucht unter anderem, ob Cannabis der Grund für die lebensbedrohliche Situation der 25-Jährigen ist.

Gefährliche Nebenwirkungen 
Der Mediziner Frank Fischer, der im Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover als Oberarzt mit Suchtkranken arbeitet, hält solch starke gesundheitliche Folgen für eher ungewöhnlich. Aber: «Nichts ist unmöglich. Es gibt allergische Reaktionen auf Substanzen, mit denen keiner gerechnet hat.»

Eine typische gefährliche Nebenwirkung von hoch dosiertem Cannabis sei eine Psychose, eine Schizophrenie mit wahnhaftem Erleben. Panikattacken und Kreislaufprobleme könnten auch auftreten. Lebensgefährliche Nebenwirkungen seien nicht sehr wahrscheinlich.

Sozialbehörde erschüttert 
Als gefährlich bezeichnete es der Mediziner aber, wenn Cannabisprodukte mit Substanzen wie Blei oder Glas gestreckt werden. Cannabis-Gebäck sei vor allem ein großes Risiko, weil der Konsument zunächst nicht merke, was er aufnehme. Eine Überdosis sei wahrscheinlich. «Man schmeckt es womöglich nicht», sagte er. Der Körper reagiere meist innerhalb von 15 Minuten.

Die Bremer Sozialbehörde zeigte sich gestern erschüttert. «Das ist auf jeden Fall ein ganz tragischer Vorfall», sagte Sprecher Bernd Schneider. Alle erhofften sich eine schnelle Aufklärung. «Es ist noch sehr im Vagen, was vorgefallen ist. Wir müssen die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten.» Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sei bestürzt über den Vorfall. «Sie hat den Betroffenen Unterstützung zugesagt», sagte Schneider. Den Beschäftigten des Flüchtlingsheims soll psychologische Unterstützung angeboten werden.

Gastfreundschaft ist Schneider zufolge gerade in Flüchtlingsunterkünften ein großes Thema. Dass Menschen sich gegenseitig einladen, sei alltäglich. Dass eine Einladung solche Folgen hat, habe er noch nie erlebt.

Foto:  Ingo Wagner / dpa

17.03.2017 wel
aktualisiert: 17:00 Uhr  wel