Entführt!
Geiselnahme eines Steuerberaters vor Gericht
Traunstein (ddp-bay). Weil sie ihren Steuerberater als Geisel genommen haben, müssen sich drei Männer und zwei Frauen heute vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen zur Last, dass sie mit der gemeinschaftlichen Entführung Geld zurückfordern wollten, das sie beim Opfer A. angelegt und nicht wiedererhalten hatten. Vier der fünf Beschuldigten hatten in den USA insgesamt 1,4 Millionen Dollar bei dem Steuerberater investiert. Der fünfte Angeklagte arbeitete vorübergehend für A. und war der Ansicht, dieser sei ihm noch Geld schuldig.
Opfer im Kofferraum verstaut
Im Juli 2009 warteten zwei der Beschuldigten, Manfred K. und Wilhelm D., vor dessen Wohnung in Speyer auf A. Nachdem sie ihn überwältigt hatten, fesselten, schlugen und bedrohten sie ihr Opfer. In einer vorbereiteten mannshohen Kiste aus Umzugskartons brachten sie ihn mit einer Sackkarre zu K.s Auto. Die Entführer verstauten ihn im Kofferraum, um ihn zu K.s Haus in Chieming zu bringen. Dort hatten sie bereits einen Kellerraum als Verlies vorbereitet.
Weil einer der Entführer die Knebelung von A. lockerte, konnte der nach einiger Zeit um Hilfe rufen. Mit dem Ziel ihn ruhigzustellen, hielt K. das Auto auf einem Parkplatz an. Als er den Kofferraum öffnete, versuchte A. mit einem Brecheisen bewaffnet, das neben ihm gelegen hatte, aus dem Kofferraum zu springen. Die beiden Angeklagten konnten ihn jedoch wieder überwältigen. Mit mehreren Faustschlägen brach K. dem Opfer zwei Rippen und verletzte ihn an Gesicht und Schulter.
Um Geld erpresst
Bei K.s Haus angekommen, schlossen sie ihre Geisel schließlich im Keller ein. Dort wollten die fünf Angeklagten ihn so lange festhalten, bis sie das von ihm geforderte Geld bekommen würden. Zu diesem Zweck zwangen sie A., mehrere Nachrichten an Treuhänder zu richten. Darin wies das Opfer sie zu Überweisungen von über zwei Millionen Euro zugunsten seiner Entführer an.
Geheime Botschaft
In einer der Faxnachrichten konnte der Festgehaltene eine verschlüsselte Botschaft unterbringen. In ihr forderte er den Bankmitarbeiter auf, die Polizei zu verständigen. Nach insgesamt vier Tagen Geiselnahme und einem misslungenen Fluchtversuch befreite die durch den Bankangestellten alarmierte Polizei schließlich den Gefangenen.
Den Angeklagten drohen Haftstrafen von über fünf Jahren.
08.02.2010 FR
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