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Mord an Taxifahrer

Angeklagter gibt lediglich Attacke auf Taxifahrerin zu

Oldenburg (ddp-nrd). Im Taxifahrer-Mordprozess vor dem Landgericht
Oldenburg hat der angeklagte 20-Jährige aus Lemwerder die ihm zur
Last gelegten Vorwürfe nur teilweise gestanden. Der Angeklagte
bestritt gestern zum Prozessauftakt, einen 58 Jahre alten
Taxifahrer getötet zu haben. Er gab lediglich einen Übergriff auf
eine Taxifahrerin zu, die seine Messerattacke schwer verletzt
überlebt hatte.

Zwei Überfälle auf Taxifahrer
   Der 20-Jährige steht wegen Mordes und versuchten Mordes vor
Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 25. September
vergangenen Jahres in der Gemeinde Elsfleth einen Taxifahrer in
dessen Fahrzeug erstochen zu haben. Einen Tag später soll er in Stuhr
auf die damals 61-jährige Taxifahrerin eingestochen haben. Die
Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich der 20-Jährige durch die
Überfälle Geld verschaffen wollte.

   «Wie ich auf die Idee gekommen bin, das Taxi auszurauben, weiß ich
selber nicht», sagte der Angeklagte zu der Tat in Stuhr. Als er die
Fahrerin am Fahrtziel mit dem Messer bedroht habe, habe diese ihm
«eine geklatscht». In diesem Moment habe sein «Geist ausgesetzt» und
er wisse nicht, wohin er gestochen habe. Ruhig und sachlich
schilderte der 20-Jährige die Tat.

Angeklagter war zunächst unauffällig

   «Der Angriff kam vollkommen überraschend», erinnerte sich die
Taxifahrerin, die als erste Zeugin geladen war. Sie habe nichts
Auffälliges bemerkt, als der Angeklagte in Delmenhorst in ihr Taxi
gestiegen sei. Während der Fahrt hätten sie sogar Small Talk geführt.
Am Fahrziel in Groß Mackenstedt/Stuhr angekommen, habe sie dem jungen
Mann den Fahrpreis genannt. Dieser habe daraufhin zuerst nach seinem
Portemonnaie gegriffen, sich dann aber zur Seite gedreht und
«plötzlich wie aus heiterem Himmel» das Messer aus der Hosentasche
gezogen und «pausenlos» auf sie eingestochen.

   Sie habe versucht, sich zu wehren, ihn aber "definitiv nicht
geschlagen», erklärte Taxifahrerin. Trotz lebensbedrohlicher
Verletzungen gelang es ihr, das Taxi noch zu verlassen. Der
20-Jährige sei ebenfalls ausgestiegen und habe sie weiter mit dem
Messer bedroht, sagte die weißhaarige Frau, die äußerlich einen
gefassten Eindruck machte. Als der Mann Geld forderte, habe sie ihm
ihre Geldbörse mit etwa 230 Euro zugeworfen und ihn angeschrien, er
solle verschwinden. «Da hat er sich tatsächlich umgedreht und ist
weggelaufen», berichtete die Taxifahrerin vor Gericht.

Opfer leidet unter Angstzuständen

  Auf die Frage, wie es ihr heute gehe, antwortete die 62-Jährige,
die körperlichen Verletzungen seien geheilt, aber sie habe sich bis
heute nicht wieder hinter das Lenkrad eines Taxis gesetzt. «Ich habe
Angstzustände, die ich noch nicht überwunden habe», sagte sie. Sie
sei nach wie vor in therapeutischer Behandlung.

   Der Vorsitzende Richter Dietrich Janßen hatte dem Angeklagten zu
Beginn des Prozesses geraten, reinen Tisch zu machen, sollte er auch
die Tat mit dem Taxifahrer begangen haben. Die Indizien sprächen
gegen ihn, sagte Janßen. So sei auf der Tatwaffe DNA des Angeklagten
gefunden worden, ebenso an in Tatortnähe gefundener Kleidung. Der
20-Jährige wies die Vorwürfe gestern zurück. Er habe den
getöteten Taxifahrer noch nie gesehen, sagte er.

   Der mutmaßliche Täter war nach einer Öffentlichkeitsfahndung Ende
September 2009 in Bremen festgenommen worden. Er befindet sich
seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess wird heute
fortgesetzt. Dann sollen Zeugen zu dem Geschehen befragt werden, bei
dem es zur Tötung des 58 Jahre alten Taxifahrers kam.

10.03.2010 SR