Mordprozess Corinna
Angeklagter schweigt trotz Geständnis bei der Polizei
Leipzig (ddp). Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten zur Last, die als
aufgeschlossen beschriebene Corinna unter einem Vorwand in seinen
Garten gelockt, sie in einem alten Bauwagen missbraucht und ermordet
zu haben. Anschließend hat er laut Anklage die Leiche des Kindes in
einen Müllsack gesteckt und in einen nahe gelegenen Seitenarm der
Mulde geworfen.
Kleidung in Garten verbrannt
Die Kleidung und die Puppe des Kindes verbrannte er in seinem
Garten. Die verräterischen Qualmwolken, die dabei in den frühen
Morgenstunden aufstiegen und die nasse Kleidung, die seinen
Angehörigen auffiel, sowie Zeugen, die ihn am Tattag mit Corinna
gesehen hatten, führten schließlich zu einem schnellen
Fahndungserfolg der Ermittler.
Das Gericht befragte am Freitag zwei Polizeibeamte, die den
Angeklagten kurz nach seiner Festnahme vernommen hatten. Damals hatte
der 39-Jährige ein Geständnis abgelegt, das jedoch umstritten ist,
weil er zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert war. Weit über zwei
Promille Alkohol hatte der Mann im Blut, als er einer Polizistin von
seiner Tat berichtete. Anfangs habe Lutz Peter S. angespannt gewirkt,
sagte die Beamtin. Nachdem er ihr von seinen sexuellen Fantasien mit
Kindern und der Tat berichtet habe, sei er wesentlich «gelöster»
gewesen.
Angeklagter alkoholkrank
Der Angeklagte, der nach eigener Angabe alkoholkrank ist, habe
sich trotz seines hohen Promillewertes klar artikuliert und im Laufe
der nächtlichen Vernehmung keine Entzugserscheinungen gezeigt, sagte
die Polizistin. Genau das dürfte ein Knackpunkt des Prozesses werden,
da der Verteidiger an der Verwertbarkeit des unter Alkoholeinfluss
abgelegten Geständnisses zweifelt. Der Staatsanwalt sagte jedoch in
der Anklageverlesung, dass Lutz Peter S. seine Handlung steuern
konnte und schuldfähig war.
Die Polizistin berichtete weiter, der Mann habe sich zunächst
nicht zur Tat äußern wollen. Als er jedoch mit Zeugenaussagen
konfrontiert wurde, die zu seiner Verhaftung führten, «fing seine
Halsschlagader an zu pulsieren». Dann habe er nur ihr allein von dem
Verbrechen erzählt.
Geständnis mitgeschrieben
Demnach konnte er schnell zu dem Kind Kontakt knüpfen und es auf
das Gartengrundstück locken. Als sich Corinna dort den sexuellen
Handlungen widersetzte, habe er ihr einen Schlag auf das Brustbein
versetzt und sich an ihr vergangen. Dabei habe er dem leblosen
Mädchen schwere Schnittverletzungen im Genitalbereich zugefügt.
Später soll er sein Opfer erstickt haben, nach Ansicht der
Staatsanwaltschaft, um den sexuellen Missbrauch zu verschleiern. Die
Polizistin hat damals das Geständnis wortwörtlich mitgeschrieben.
«Ich konnte gar nicht anders als sie zu töten. Ich war in einer
Zwickmühle», habe er zu Protokoll gegeben.
Der arbeitslose Mann war am 1. August 2009 festgenommen worden und
sitzt seitdem in Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord,
sexuellen Missbrauch von Kindern mit Todesfolge, sexuelle Nötigung
und Vergewaltigung mit Todesfolge vor. Für den Prozess sind fünf
Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird am 31. März erwartet.
14.03.2010 SR
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