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Künstler-"Ehre"

Ein Fälscher packt aus

Hamburg (dapd). Der zu mehreren Jahren Haft verurteilte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi kann sich an alle seine Gemälde erinnern. Er habe nicht nur die von ihm gefälschten Bilder im Kopf, sondern auch alle anderen, die er in seinem Leben angeschaut habe, sagte Beltracchi dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Näher wollte er sich nicht äußern. Er habe ein Geständnis abgelegt zu den Bildern, die Gegenstand des Prozesses gewesen seien, sagte er.

Beltracchi sagte, er habe in seinem Leben ungefähr 50 Künstler nachgemalt. Als er 14 Jahre alt war, habe ihm sein Vater eine Postkarte mit einem frühen Picasso gegeben. Den habe er an einem Nachmittag kopiert, aber ein wenig verändert, weil er ihm zu traurig erschienen sei. Zur Zahl seiner Fälschungen wollte Beltracchi nichts sagen. Er habe nur gemalt, wenn er Lust gehabt und Geld gebraucht habe, obwohl er deutlich mehr hätte verkaufen können.

Sechs Jahre Haft
Beltracchi war im Oktober vom Landgericht Köln zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte zugegeben, in elf Fällen gefälschte Gemälde bedeutender Expressionisten wie Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk in den Handel gebracht zu haben.

Die Behörden rechnen ihm und seinen Mittätern 53 gefälschte Gemälde mit einem Verkaufswert von 35 Millionen Euro zu. Unter anderem hatte Beltracchi Sammlungen erfunden, aus denen angebliche Originale stammen sollten.

05.03.2012 dv