Kinder und Kriminalität – Minderjährige als Täter und Opfer

Sie sind noch unter sechs Jahre alt und stehen schon unter Tatverdacht: Das LKA in Bayern listet in seiner Kriminalstatistik mehr als 11.000 tatverdächtige junge Kinder auf. Aber die Kleinen werden auch selbst immer wieder zu Opfern von Gewalt.

Tatwaffe Kinderschaufel: Kriminalität fängt oft schon im Sandkasten an.

München (dpa) – Mehr als 11.000 Kinder unter sechs Jahren in Bayern haben im vergangenen Jahr unter Tatverdacht gestanden. Laut Landeskriminalamt (LKA) handelte es sich in den meisten Fällen um Kinder, die unerlaubt eingereist sind. Ohne die Verstöße gegen das Ausländerrecht waren es nur noch 70 Tatverdächtige unter sechs Jahren. Das seien dann «Sandkastenkämpfe», erklärte ein LKA-Sprecher. Also beispielsweise ein Kind, das einem anderen eine Schaufel über den Kopf haut. Das zählt als Körperverletzung. Oder ein Kind, das eine fremde Schaufel einsteckt und damit zum Dieb wird.

Kleinen Kindern sei ihr Fehlverhalten oft noch gar nicht bewusst, sagt Margot Czekal vom Kinderschutzbund Bayern. «Kinder handeln in der Regel nicht aus krimineller Energie. Das ist dann eher ein Versehen oder mal eine Mutprobe.» Deswegen sind Kinder unter 14 Jahren in Deutschland auch nicht strafmündig. «Es ist Aufgabe der Eltern, das Unrechtsbewusstsein ihrer Kinder zu fördern», sagt die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Bayern. «Kinder müssen lernen, Nein zu sagen und nicht bei jeder Mutprobe mitzumachen.»

Auch für Probleme in der Familie gibt’s Fachleute 
Oft werden Kinder auch Opfer: Das LKA registrierte 2016 knapp 1.400 Straftaten gegen unter Sechsjährige in Bayern. Sie würden geschlagen, vernachlässigt oder missbraucht. «Je älter die Kinder werden, desto größer wird die Bandbreite an Gewalt», sagt Czekal. «Ältere Kinder verstehen auch psychische Gewalt. Sie leiden darunter, wenn ihre Mutter beispielsweise mehrere Tage nicht mehr mit ihnen spricht.»

In 60 Prozent werden den Angaben zufolge zum Beispiel die Eltern, Geschwister oder der Onkel zum Täter. «Gewalt in der Familie ist meist das Ergebnis von Frustration, Überforderung und Hilflosigkeit», sagte Czekal. Sie will Eltern deshalb ermutigen, sich rechtzeitig Hilfe zu holen: «Bei Zahnweh gehen wir zum Zahnarzt, bei Problemen mit dem Auto gehen wir zur Werkstatt. Und bei Problemen mit der Familie sollten wir zu einer Jugendhilfeeinrichtung gehen.»

Allerletzte Maßnahme: Wegnahme eines Kindes 
Niemand brauche deswegen Angst haben, seine Kinder zu verlieren, versichert Czekal. «Wir Fachkräfte in der sozialen Arbeit überlegen sehr lange, bevor wir ein Kind aus seiner Familie reißen. Das ist wirklich die allerletzte Maßnahme, wenn andere Hilfsangebote nicht gewirkt haben oder wenn Gefahr im Verzug ist.»

Foto: Arno Burgi / dpa

11.09.2017  wel