Marcel Märkisch und Kevin Batzler verhindern eine Entführung

XY-Preisträger Kevin Batzler und Marcel Märkisch.

Eine 15-Jährige ist kurz nach Mitternacht auf dem Nachhauseweg.  Fast ist sie zu Hause, als neben ihr ein Hyundai hält. Der Fahrer steigt aus, bedroht sie mit einer Schusswaffe und versucht, die Jugendliche in sein Auto zu zerren. Das Mädchen schreit laut um Hilfe.

Der 37-jährige Palliativpfleger Kevin Batzler kommt gerade zusammen mit seiner Lebensgefährtin von der Arbeit. Beide hören die Schreie des Mädchens. Das Geschehen am Tatort und die Zeugen trennt eine Hecke. Doch Kevin Batzler sieht sofort nach und entdeckt das Mädchen auf dem Rücken liegend auf der Rückbank im Auto des Täters. «Ich hab gleich gerufen, er soll die Frau in Ruhe lassen.»

XY-Szenenfoto

Der Täter dreht sich zu ihm. In der Hand hat er eine Pistole. «Verpiss dich, sonst bist du tot, hat er zu mir gesagt», schildert Kevin Batzler die bedrohliche Situation. «Meine Freundin wartete schon an unserem Hauseingang auf mich. Ich hab‘ mir das Kennzeichen gemerkt und bin zu ihr gerannt, um die Polizei zu rufen.» Der Täter ist inzwischen verunsichert. Das Mädchen kann aus dem Wagen flüchten.

Ein weiterer Zeuge eilt zum Tatort 
Die Schreie der 15-Jährigen hat auch Marcel Märkisch gehört: «Ich hatte Streit mit meiner Freundin. Deshalb stand ich auf dem Balkon und hab‘ eine geraucht, um runterzukommen», erinnert sich der heute 29-Jährige. Der gelernte Einzelhändler denkt zuerst, Jugendliche machten Spaß oder hätten einfach zu viel getrunken.

Dann werden die Schreie intensiver. Der junge Mann zieht sich in Windeseile etwas über und springt die Treppen im Haus hinunter. Als er unten ankommt, kann er die Schreie sofort orten. Er rennt über die Straße, überspringt eine Rosenhecke. An Ort und Stelle angekommen, sieht er, wie der Täter mit der 15-Jährigen rangelt. Durch laute Schreie macht sich Marcel Märkisch bemerkbar. Der Täter flüchtet zu seinem Auto, springt hinein und fährt los. Dabei versucht Märkisch noch Fotos vom Kennzeichen zu machen. Was er in diesem Moment nicht weiß: Die Polizei ist gerade durch seinen Nachbarn Kevin Batzler informiert worden und schon unterwegs.

Gefängnis in Gartenlaube 
Nur wenig später fahren die Beamten zur Anschrift des Fahrzeughalters und kommen gerade dazu, als der Täter sein Auto einparkt. Er wird festgenommen. Bei der Durchsuchung des Hyundai finden die Polizisten darin ein ganzes Waffenarsenal: eine Schreckschusswaffe, eine Luftdruckwaffe, eine Gaspistole, einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker, ein Kampfmesser, eine Perücke, diverse Tarnutensilien und ein Nachtsichtgerät.

In seiner Gartenlaube hatte der 46-jährige Täter offensichtlich schon ein Gefängnis für sein Opfer vorbereitet. „Der Angeklagte wollte sich eines Mädchens bemächtigen und es tagelang missbrauchen“, rekapituliert der Richter später bei der Urteilsverkündung. Der Täter wird zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Fotos: Securitel

17.10.2017  wel