Mit Karacho an die Beute

Blitzeinbrüche in Uhrengeschäfte

(XY-Sendung vom 25. Oktober 2017)
Im Abstand von etwa sechs Monaten werden in der Goethestraße, einer noblen Einkaufsstraße in der Frankfurter Innenstadt, zwei Blitzeinbrüche in Uhrengeschäfte begangen. Die Kripo vermutet: Hier waren verschiedene Tätergruppen am Werk. In der Vorgehensweise gibt es allerdings markante Parallelen.

XY-Szenenfoto

Nachts ist die Goethestraße in der Frankfurter Innenstadt wie ausgestorben. Deshalb fallen die beiden Pkw zunächst nicht auf, die vor einem Uhrengeschäft anhalten. Erst als eines der Fahrzeuge, ein Audi A3, mit Karacho rückwärts in die Eingangstür des Geschäfts rast, wachen Anwohner auf und werden Zeugen eines sogenannten Blitzeinbruchs. Die Täter sind offenbar ein eingespieltes Team. Sie stürmen durch die demolierte Eingangstür in den Verkaufsraum, schlagen Vitrinen und Glasschränke ein und lassen die wertvollsten Uhren in ihren Rucksäcken verschwinden. Inzwischen fährt ein Komplize den Audi A3 zur Seite und beseitigt die gröbsten Spuren.

Den Audi A3 (links) ließen die Täter beim ersten Einbruch zurück. Die Einbrecher flohen mit diesem Audi RS 6 (rechts).

Auffallend korrekte Fahrweise
Es dauert nicht einmal zwei Minuten, bis alle Täter in das zweite Fahrzeug, einen Audi RS 6, einsteigen und davonfahren. Auf der Fahrt durch die Frankfurter Innenstadt wird der Wagen von Überwachungskameras aufgenommen. Die Polizei stellt später fest: Die Täter haben es nicht eilig. Im Gegenteil: Der Fahrer versucht offensichtlich, durch korrekte Fahrweise möglichst nicht aufzufallen. Mit dem Audi RS 6, den sie in der Nacht zuvor in Aschaffenburg gestohlen hatten, verlassen sie Frankfurt. Erst im Dezember wird der Pkw in Mönchengladbach verlassen aufgefunden. In Nordrhein-Westfalen haben die Täter ihn für einen weiteren Einbruch benutzt.

Beim zweiten Einbruch wurde dieser gestohlene VW Passat benutzt.

Am frühen Morgen des 28. März 2017 wird der Hausmeister eines der Geschäftshäuser in der Goethestraße Zeuge, wie erneut ein Fahrzeug in die Tür eines Uhrengeschäfts rast. Der Tatort ist nur etwa 50 Meter vom ersten Tatort entfernt. Die Kripo geht später davon aus, dass für diesen Einbruch eine andere Tätergruppe verantwortlich ist. Die maskierten Männer, die in einem VW Passat gekommen sind, benutzen einen Holzbalken als Rammbock. Auch sie zertrümmern Vitrinen und Schränke im Innern des Ladens und ergreifen kurz darauf mit fetter Beute die Flucht. Im Stadtteil Ginnheim stellen sie das Fluchtfahrzeug ab.


Mysteriöser Radfahrer
Während des Einbruchs fährt ein Radfahrer durch die Frankfurter Goethestraße. Wie der Hausmeister der Polizei später erzählt, benutzt der Mann ein weißes Fahrrad mit einem roten Einkaufskorb. Der Einbruch scheint ihn nicht zu interessieren. Dennoch meint die Kripo, dass er vielleicht ein wichtiger Zeuge ist, der möglicherweise – bewusst oder unbewusst – den Einbruch und die Täter  gesehen hat. Vielleicht könnte er etwas zur Klärung des Verbrechens beitragen.

Tatfahrzeuge:
Die Fahrzeuge, die bei den Einbrüchen benutzt wurden, sind für die Kripo besonders interessant. Denn zum Teil waren sie längere Zeit im Besitz der Täter und müssten irgendwo abgestellt gewesen sein:
beim ersten Einbruch am  31. Oktober 2016 ein schwarzer Audi A3, Kennzeichen: MTK – NM 128; gestohlen am 14. Oktober – also zwei Wochen vorher – in Hofheim/Taunus.
zweites Fahrzeug: ein anthrazitfarbener Audi RS 6, Kennzeichen: F – TC 221; gestohlen kurz  vor dem Einbruch, am 29 Oktober 2016, in Aschaffenburg.
Erst am 11. Dezember 2016 wird der Wagen in Mönchengladbach sichergestellt. Wie die Kripo ermittelte, hat er inzwischen noch einmal als Tatfahrzeug bei einem Blitzeinbruch in Nordrhein-Westfalen gedient.
Beim zweiten Einbruch am 28. März 2017 ein dunkler VW Passat, Kennzeichen: OF – SB 212; gestohlen in der Nacht zum 27. März und kurz nach der Tat im Frankfurter Stadtteil Ginnheim abgestellt.

Gestohlene Uhren:
Bei dem zweiten Einbruch haben die Täter ausschließlich Armbanduhren der Marke „IWC“ erbeutet. Darunter diese drei recht markanten Stücke:

  • Modell „Portofino“, Edelstahlgehäuse, weißes Ziffernblatt mit römischen Zahlen;
  • Modell „Portugieser Chronograph“, Gehäuse aus Rosegold, schwarzes Ziffernblatt mit Anzeigen für Sekunden und Stoppuhr;
  • weiteres Modell „Portofino“, Gehäuse aus 18 Karat Rotgold, silberfarbenes Ziffernblatt mit Anzeige für Gangreserve und Stoppuhr.

    Beutestücke (v. l.): IWC-Armbanduhren „Portofino“ mit Edelstahlgehäuse, „Portugieser Chronograph“, „Portofino“ mit Gehäuse aus Rotgold.

Fragen nach Zeugen:

  • Welcher Radfahrer hat am 28. März 2017 morgens, kurz vor 5 Uhr die Goethestraße in Frankfurt befahren? Das Fahrrad war weiß und hatte einen roten Korb.
  • Wer hat die Tatfahrzeuge im Zeitraum zwischen Diebstahl und Auffinden gesehen und kann Angaben dazu machen, wer die Pkw benutzt hat bzw. wo sie in dieser Zeit abgestellt waren?

Zuständig: Kripo Frankfurt/Main, Telefon: 069 / 75 50