Mordversuch in Steilshoop – «Cold Case»: Verbrechen an 16-Jähriger geklärt

An einem Herbstabend im Jahr 1980 wird ein Mädchen in einem Hamburger Hochhausviertel angegriffen und beinahe getötet. 37 Jahre lang sucht die Polizei vergeblich nach dem Täter. Jetzt gibt es eine Festnahme.

Hochhaussiedlung in Hamburg-Steilshoop

Hamburg (dpa) – 37 Jahre nach zwei sexuellen Angriffen auf zwei junge Mädchen hat die Polizei in Hamburg einen Tatverdächtigen festgenommen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) hat am Montagabend die Wohnung des 53-Jährigen gestürmt. Die Ermittlungen führt die Soko «Cold Cases», die die Hamburger Polizei vor gut einem Jahr gegründet hat.

Der Festgenommene aus dem Stadtteil Wandsbek soll am 1. November 1980 gegen 22 Uhr eine 16-Jährige in Steilshoop angegriffen und mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben. Der Täter hatte angenommen, das Mädchen sei tot, und versuchte, es zu vergewaltigen. Als Zeugen aufmerksam wurden, ergriff er die Flucht. Die 16-Jährige konnte durch eine Notoperation gerettet werden.

Zweite Tat begangen?
Im Zusammenhang mit einem anderen Ermittlungsverfahren der Soko «Cold Cases» hatten sich bei der Polizei Zeuginnen gemeldet, die von einem ähnlichen Überfall in Steilshoop berichteten. Demnach soll derselbe Täter bereits im Spätsommer 1980 versucht haben, eine 16-Jährige zu vergewaltigten. Das Mädchen konnte sich in eine Gaststätte flüchten.

Tatwaffe: ein Jagdmesser.

Trotz intensiver Ermittlungen gelang es der Polizei damals nicht, den Täter zu ermitteln. Erst im vergangenen Monat konnte die Soko den 53-Jährigen vernehmen. Dabei bestritt der Verdächtige – zur Tatzeit ebenfalls 16 Jahre alt – die Taten. Die Ermittler hatten jedoch ein wichtiges Beweisstück: Nach dem blutigen Angriff auf die 16-Jährige hatten die Beamten ein Jagdmesser mit Horngriff gefunden, das der Täter auf der Flucht versteckt hatte.

Das Messer mit 15 Zentimeter langer Klinge konnte schon damals eindeutig als Tatwaffe identifiziert werden. Der 53-Jährige gab an, das Messer zu kennen und auch schon mal in der Hand gehabt zu haben. Er wisse jedoch nicht, wem es gehöre.

Messer nach 37 Jahren wiedererkannt
Eine Öffentlichkeitsfahndung der Soko erbrachte jetzt den entscheidenden Hinweis. Am vergangenen Sonntag veröffentlichten die Ermittler das Foto des Jagdmessers und der Lederscheide mit der Darstellung eines röhrenden Hirsches. Sie fragte, wer es einer bestimmten Person zuordnen könne. Nur einen Tag später meldete sich ein Zeuge, woraufhin die Staatsanwaltschaft die Festnahme anordnete. Inzwischen hat das Amtsgericht Hamburg Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den 53-Jährigen erlassen.

Die versuchte Vergewaltigung vom Spätsommer 1980 ist verjährt. Wegen des versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter Vergewaltigung vom 1. November 1980 kann der Täter dagegen – so eine Polizeisprecherin – immer noch vor Gericht kommen. Das Opfer stehe als Zeugin zur Verfügung, sei aber nach wie vor traumatisiert.

In Steilshoop wurde ab Ende der 60er Jahre eine Satellitenstadt errichtet. Das Hochhausviertel entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem sozialen Brennpunkt.

Fotos:
Hochhäuser in Steilshoop:  flamenc / wikipedia.org
Tatmesser:  Polizei Hamburg

07.02.2018  wel