Von Mama sexuell misbraucht – Neunjährigen gegen Geld an Pädophile ausgeliehen

Es sind schwere Vorwürfe: Eine Mutter soll ihr Kind anderen Männern gegen Geld für Vergewaltigungen zur Verfügung gestellt haben. Die Polizei befreit den Jungen nach zwei Jahren Martyrium. Und beendet einen Kriminalfall mit erschreckenden Dimensionen.

VON JÜRGEN RUF  (dpa)
Selbst erfahrene Ermittler erschreckt die Grausamkeit der Taten. Eine Mutter in Baden-Württemberg soll ihr Kind Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen haben. Die Frau kommt aus der Nähe von Freiburg. Acht Verdächtige sind in Untersuchungshaft. Heute machten die Ermittler die Vorwürfe und das grausame Martyrium für einen Neunjährigen öffentlich. Der Kriminalfall sprenge bisher bekannte Dimensionen, sagen sie.

Nach einem anonymen Hinweis beginnen im vergangenen September die Ermittlungen. Die Polizei stößt dann auf einen Pädophilenring, den sie nun zerschlagen hat. Es sei der schwerwiegendste Fall von sexuellem Missbrauch von Kindern, den das Landeskriminalamt Baden-Württemberg jemals bearbeitet hat, sagt ein Sprecher der Behörde.

Acht Verdächtige in U-Haft 
Die 47 Jahre alte Mutter des Jungen und ihr 37 Jahre alter Lebensgefährte haben das Kind demnach gemeinsam sexuell misshandelt und es anderen Männern angeboten. Acht Verdächtige, die in den Fall verwickelt sein sollen, wurden festgenommen. Die Taten ereigneten sich von 2015 bis Herbst vergangenen Jahres – also rund zwei Jahre lang. Der bei Freiburg lebende Junge sei von mehreren Tätern wiederholt und an mehreren Tatorten in und um Freiburg missbraucht und vergewaltigt worden.

Erschreckend sind die Details, die Polizei und Staatsanwaltschaft zu dem Fall veröffentlichen: zum Beispiel die Festnahme eines Mannes aus Schleswig-Holstein, den Polizisten verdeckt überwachten. Zum sexuellen Missbrauch des Neunjährigen soll der 43-Jährige extra nach Karlsruhe gereist sein. Bei seiner Festnahme hatte er einen Rucksack mit Fessel-Utensilien dabei. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Mann zuvor Tötungsphantasien im Zusammenhang mit einem Kindesmissbrauch geäußert haben.

Bei weiteren Ermittlungen fanden die Beamten Filme, die den sexuellen Missbrauch eines Mädchens zeigen. Mutmaßlicher Täter sei der Vater gewesen, so das LKA. Der 32-Jährige wurde ebenfalls festgenommen.

In Kaserne festgenommen
Unter den Verdächtigen befindet sich auch ein 49 Jahre alter Soldat der Bundeswehr. Dieser sei in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade im Elsass (Frankreich) festgenommen worden. Ein Sprecher des Heeres bestätigt dies. Der Mann sitzt seit dem 25. Oktober in U-Haft. Er sei vorläufig des Dienstes enthoben worden und dürfe keine Uniform mehr tragen.

Die weiteren Männer, die in Untersuchungshaft sitzen, seien 32 bis 43 Jahre alt. Sie stammen den Ermittlern zufolge aus der Nähe von Freiburg, aus Schleswig-Holstein, der Schweiz und aus Spanien. Festgenommen wurden sie in Deutschland, Österreich und Spanien. Sie sind den Angaben zufolge bereits an Deutschland ausgeliefert worden. Einige von ihnen, darunter der Lebensgefährte der Mutter, sind wegen ähnlicher Delikte vorbestraft.

Behörden befreien Jungen 
Der Junge sei von den Behörden befreit worden, sagt der Sprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft, Michael Mächtel. Er befindet sich in staatlicher Obhut. «Der seit 2015 andauernde schwere sexuelle Missbrauch des Kindes konnte so beendet werden», sagt er.

Einige der Verdächtigen haben sich den Ermittlern gegenüber geäußert. Details hierzu will die Staatsanwaltschaft nicht nennen. Ermittelt werde weiter. Wann es zu Anklagen oder Prozessen kommt, ist noch nicht absehbar.

Immer wieder stoßen deutsche Ermittler auf systematischen sexuellen Missbrauch, der vor allem über das Internet verabredet wird. Im vergangenen Jahr war die Polizei gegen die europaweit größte Kinderporno-Plattform «Elysium» vorgegangen (e110 berichtete).

Symbolfoto: Julian Stratenschulte / dpa

11.01.2018  wel