Pistolen zu wenig gesichert? Schüsse in S-Bahn-Station werfen Fragen auf

Ein Randalierer reißt eine Polizeiwaffe aus dem Gürtel eines Beamten. Er schießt auf eine junge Polizistin und verletzt sie lebensgefährlich. Ihre Gewerkschaft sieht dennoch keinen Handlungsbedarf bei der Sicherung der Dienstpistolen.

Wie sicher sind die Polizeipistolen? Experten rätseln, wie der Schütze von Unterföhring die Waffe als Laie so schnell entsichern konnte.

Unterföhring (dpa) – Es waren dramatische Szenen, die sich gestern abspielten: Ein Randalierer reißt einem Polizisten auf einem S-Bahnhof bei München die Dienstwaffe aus dem Holster und verletzt dessen Kollegin lebensgefährlich mit einem Kopfschuss. Die bayerische Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht dennoch keinen Handlungsbedarf bei der Sicherung der Pistolen.

«Vom Grundsatz her sollte es eigentlich nicht passieren, dass dem Kollegen die Waffe entrissen werden kann», sagt der GdP-Landesvorsitzende Peter Schall der Deutschen Presse-Agentur. «Da ist eigentlich ein Verriegelungsknopf.» Die Beamten müssten extra die Bewegung trainieren, beim Ziehen der Waffe diesen Knopf zur Seite zu drücken.

Nicht für alle Eventualitäten gewappnet 
Von daher verwundere es, dass der Täter von Unterföhring bei dem Vorfall gestern die Waffe habe an sich reißen können. «Aber für alle Eventualitäten ist man dann wohl doch nicht gewappnet», resigniert Schall. Er betont: «Zu kompliziert darf man es auch nicht machen, denn wenn ein Kollege in einer Notwehrsituation die Waffe schnell ziehen muss, kann er nicht erst zwei, drei Sicherungen öffnen müssen.»

Gestern war es in der Münchner Flughafen-Linie S8 zu einem Streit zwischen mehreren Beteiligten gekommen. Daraufhin wurde eine Streife zum Bahnhof Unterföhring gerufen, die dort die Personalien der Beteiligten aufnahm. Plötzlich versuchte einer der Randalierer, einen Polizisten ins Gleisbett zu schubsen. Das konnte der Beamte verhindern. Es entstand eine Rauferei, bei der der 37-Jährige die Pistole an sich riss.

Tat macht fassungslos 
Daraufhin schoss den ersten Ermittlungen zufolge die Kollegin des Beamten auf den 37-Jährigen, der seinerseits die 26-Jährige mit einem Kopfschuss lebensgefährlich verletzte. Auch zwei unbeteiligten Zeugen schoss er in Arm und Bein.

Gewerkschafts-Chef Schall macht die Tat fassungslos. «Was wäre ihm denn groß passiert?» Die Beamten hätten nach der Prügelei in der S-Bahn die Personalien festgestellt und den Mann dann laufen lassen. «Jetzt ist das völlig eskaliert. Am Ende wird die Kollegin das womöglich mit dem Leben bezahlen. Und selbst im Falle einer Genesung ist die Frage, ob Schäden bleiben. Denn ein Kopfschuss ist ja immer sehr extrem.»

Lange in USA gelebt 
Der aus Starnberg stammende Schütze hat laut Polizei lange Zeit in den USA gelebt, wo seine Eltern zu Hause sind. Was der 37-Jährige dort gemacht hat, stehe noch nicht fest, so der Polizeisprecher. «Wir wissen, dass er nicht beim Militär war.»

Symbolfoto: Arne Dedert / dpa

14.06.2017  wel