Der Ex-RAF-Terrorist kneift – Horst Mahler (81): Kein Bock mehr auf Knast

Linksextrem, rechtsextrem – und ein Stück deutscher Geschichte. Horst Mahler saß zuletzt wegen Volksverhetzung in Haft. Jetzt ist der 81-Jährige auf der Flucht.

RAF-Mitbegründer und heutiger Rechtsextremist Horst Mahler will seine Reststrafe nicht verbüßen und will im Ausland um Asyl bitten . Auf YouTube erklärt der 81-Jährige seine Beweggründe.

VON THOMAS LANIG und MARION VAN DER KRAATS  (dpa)
Alt, krank, isoliert – und immer noch für eine Schlagzeile gut: Der einstige Mitbegründer der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) und spätere Rechtsextremist Horst Mahler hat sich durch Flucht einer neuen Haftstrafe entzogen. Er werde seiner Ladung zum Haftantritt am Mittwoch nicht nachkommen, sondern «in einem aufnahmebereiten, souveränen Staat um Asyl bitten», hatte der 81-Jährige in einer im Internet verbreiteten  Videobotschaft  angekündigt.

Von ganz links nach ganz rechts: Die Biografie Mahlers ist mit ihren Sprüngen und Widersprüchen auch ein Spiegel der deutschen Geschichte. 2009 hat der Film «Die Anwälte» von Birgit Schulz das Leben des einstmaligen Starjuristen und seiner ehemaligen Mitkämpfer Otto Schily und Hans-Christian Ströbele in die Kinos gebracht. Ströbele blieb seit den 70er Jahren seinen linken Überzeugungen treu. Und Schily stieg zum oft angefeindeten SPD-Innenminister auf. Mahler dagegen wurde zum Volksverhetzer und Holocaust-Leugner.

Von ganz links nach ganz rechts 
Nachvollziehbar war sein Wechsel ins rechtsradikale Lager für kaum jemanden. 1969 verteidigte er die Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und Gudrun Ensslin und gründete wenig später mit ihnen die RAF. 1970 wurde Mahler in Berlin verhaftet und später wegen Beteiligung an verschiedenen Banküberfällen mit terroristischem Hintergrund zu insgesamt 14 Jahren Haft verurteilt.

Im Gefängnis distanzierte er sich von seiner terroristischen Vergangenheit. Er gewann den damaligen Juso-Vorsitzenden und späteren SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Verteidiger. 1980 kam Mahler nach zehn Jahren Haft frei. 1987 wurde er mit Hilfe von Schröder wieder als Anwalt zugelassen.

«Flugschrift an die Deutschen»
Gut zehn Jahre später ist er im rechtsextremen Lager angekommen. Er veröffentlicht eine «Flugschrift an die Deutschen, die es noch sein wollen, über die Lage ihres Volkes» und gründet eine nationale Bürgerbewegung «Für Unser Land». Die Bewegung ruft dazu auf, sich ihr anzuschließen, «damit Deutschland deutsch bleibt». Im Jahr 2000 tritt er der NPD bei, vertritt später die NPD vor dem Verfassungsgericht. Im gescheiterten Verbotsverfahren steht Mahler noch einmal seinem einstigen Kollegen Schily gegenüber.

Den Holocaust nennt Mahler «die gewaltigste Lüge der Weltgeschichte». Mehrfach wird er wegen Volksverhetzung von deutschen Gerichten verurteilt – zuletzt vom Landgericht Potsdam. Seit 2009 verbüßt er eine zehnjährige Haftstrafe. Im Sommer 2015 erhält er wegen einer schweren Erkrankung Haftverschonung. Nach Medienberichten leidet er an Diabetes. Ende 2016 wird die Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung wieder aufgehoben, weil Mahler im Gefängnis weitere rechtsextreme Publikationen verfasst haben soll.

Am Mittwoch hätte er zum Haftantritt in Brandenburg/Havel erscheinen sollen. Das ARD-Magazin «Panorama» berichtete unter Berufung auf einen Vertrauten Mahlers, der Gesuchte halte sich bereits im Ausland auf.

Foto:  nordland.tv / YouTube

20.04.2017  wel