RAF-Rentner im sonnigen Süden? Neues Video zur Fahndung nach Ex-Terroristen

Mit neuen Tatortvideos fahndet das LKA nach drei untergetauchten Ex-RAF-Terroristen. Nach einer Überfallserie kam die Polizei auf ihre Spur. Sind Staub, Garweg und Klette am Mittelmeer untergetaucht?

Neue Fahndungsfotos aus Überwachungsvideos: links die Ex-Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub am 2. Januar 2015 in einem Osnabrücker Bus auf dem Weg zum Autokauf, in der Mitte Ernst-Volker Staub und auf dem rechten Foto ebenfalls Ernst-Volker-Staub, als er am 7. Mai 2016 in einem Hildesheimer Einkaufsmarkt vergeblich versucht, einen Geldboten zu überfallen. Zur Tarnung hält er sich ein Tuch vors Gesicht.

VON MICHAEL EVERS  (dpa)
Mit einer Serie von Raubüberfällen brachten drei seit Jahrzehnten untergetauchte ehemalige RAF-Terroristen die Polizei 2015 wieder auf ihre Spur. Wie die Fahnder nun vermuten, könnte das Trio sich inzwischen im Mittelmeerraum aufhalten und jeweils zu den Raubüberfällen ins vertraute Norddeutschland angereist sein. Nicht auszuschließen sei, dass die Ex-RAF-Mitglieder Ernst-Volker Staub (63), Burkhard Garweg (49) und Daniela Klette (59) in Italien, Frankreich oder Spanien Unterschlupf gefunden haben, teilt das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) mit.


Video zur Fahndung


Möglicherweise können die drei ehemaligen Linksterroristen auf alte Netzwerke Gleichgesinnter wie die baskische ETA oder die Roten Brigaden in Italien zurückgreifen. Staub wurde angeblich auch auf einem Campingplatz in Norditalien gesehen. Eindeutig identifiziert wurde er nach Angaben der Fahnder aber nicht. Außerdem könnten die drei sich nach LKA-Angaben in den Niederlanden aufhalten, wo bereits umfangreicher nach dem Trio gefahndet wurde. Ein bei der Fahrt über die Grenze nach Holland ausgeschaltetes Handy sowie der Schnipsel einer holländischen Zeitung in einem Tatwagen waren unter anderem der Grund.

Letzter Überfall: vor anderthalb Jahren 
Mit bislang unveröffentlichten Tatvideos startet das LKA heute einen neuen Fahndungsaufruf nach dem Trio, das es für mindestens neun Raubüberfälle in Norddeutschland verantwortlich macht. Eine Videosequenz zeigt Staub und Garweg bei einem Überfall in Hildesheim, auf einer zweiten sind die beiden in einem Bus in Osnabrück zu sehen, als sie auf dem Weg zum Kauf eines Gebrauchtwagens sind, den sie für einen der Überfälle benötigen. Zuletzt schlugen die drei im Juni 2016 in Cremlingen bei Braunschweig zu. Mit Panzerfaust und Automatikgewehr überfielen dort zwei Männer und eine Frau einen Geldtransporter und ein Geschäft.

Für einen Aufenthalt der Gesuchten im Ausland spricht nach Einschätzung der Fahnder, dass es trotz intensiver Fahndung bislang keinen entscheidenden Hinweis in Deutschland gab. Dennoch könnten die drei sich – möglicherweise ebenfalls mit Hilfe von Unterstützern – auch hier aufhalten. Die Gebiete um Bielefeld, Porta Westfalica und Osnabrück sind für die Fahnder wegen Gebrauchtwagenkäufen durch das Trio dort von besonderem Interesse. Hier dürften die drei nach LKA-Angaben besonders häufig gewesen sein.

Untertauchen ist teuer 
Garweg, Klette und Staub gehören zur sogenannten dritten Generation der RAF. Sie wurde aktiv, als zentrale Figuren wie Andreas Baader und Ulrike Meinhof längst tot waren. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen, so an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Mit Terror haben die jüngsten kriminellen Machenschaften des Trios wohl nichts mehr zu tun, eher mit der Altersvorsorge. «Das Leben in der Illegalität ist wesentlich teurer als ein legales Leben», sagte Ex-Terrorist Klaus-Jürgen Boock vor kurzem dem «Spiegel». Die Beute aus allen Überfällen zusammen soll bei etlichen hunderttausend Euro liegen.

Mit falschen Pässen ausgestattet gehen die «RAF-Rentner» nach Vermutung der Fahnder keiner geregelten Arbeit nach, womöglich haben sie Unterstützer. Ihre Lebensgeschichte und ihre Kontakte aber bleiben nebulös. «Die sind wie vom Erdboden verschluckt, hochprofessionell», meint ein Beamter. Mit den aktuellen Fahndungsbildern aber bestehe die Gefahr, dass sie anhand ihrer Gesichter erkannt werden können. Wo auch immer sie sich aufhalten.

Fotos: Landeskriminalamt Niedersachsen  (Bildbearbeitung: e110)

13.11.2017  wel