Showdown in Mailand

Betrüger locken Opfer ins Ausland

(XY-Spezial vom 4. Oktober 2017)
Ein Ehepaar möchte ein Apartment verkaufen und setzt eine Annonce ins Internet. Betrüger werden auf die Anzeige aufmerksam und geben sich als Interessenten aus. Zum Wohnungsverkauf kommt es am Ende nicht. Dafür ist das Paar um 125.000 Euro ärmer und zwei wertvolle Uhren los.

XY-Szenenfoto

Ein älterer Mann erkrankt an Alzheimer und Parkinson. Schließlich wird er zum Pflegefall. Seine Ehefrau möchte das Eigenheim pflegegerecht umbauen. Das Geld dafür erhofft sie sich aus dem Verkauf einer hochwertig ausgestatteten Eigentumswohnung, die sich das Paar einst als Kapitalanlage angeschafft hatte. Mit Hilfe ihres Enkels bietet die 76-Jährige das Apartment im Internet an.

Kaufinteresse vorgeschoben
Es melden sich mehrere Interessenten. Die meisten wollen wie üblich den Preis drücken – bis auf einen international tätigen Immobilienkäufer aus der Schweiz. Er schickt gleich einen Gutachter, der das Kaufobjekt begutachtet und für gut befindet. Dem Verkauf der Eigentumswohnung scheint nichts mehr entgegenzustehen. Einen Teil der Kaufsumme will der Interessent sogar in bar bezahlen. Es wird ein Treffen in Rom vereinbart, bei dem die Details des Kaufs besprochen werden sollen.

Die 76-Jährige reist mit ihrem Enkel nach Italien. Dort treffen sie auf zwei charmante und scheinbar sehr erfolgreiche Geschäftsmänner. Im Gespräch ist der Kauf der Wohnung dann plötzlich an eine Bedingung geknüpft: Die Businessmänner wollen die Immobilien nur kaufen, wenn die Rentnerin und ihr Enkel auf ein Devisentauschgeschäft eingehen. Wenn Sie tausende Euro Bargeld in Schweizer Franken umtauschen, bekämen sie 20 Prozent Gewinn. Ganz nebenbei interessieren sich die Männer für wertvolle Uhren – wie etwa die Armbanduhr des Enkels, die er zum Abitur geschenkt bekommen hat. Auch hierfür bieten sie einen außerordentlich guten Preis.

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Bei einem weiteren Treffen in Mailand soll der Verkauf der Eigentumswohnung abgewickelt, die zwei wertvollen Armbanduhren verkauft werden und der Devisenumtausch stattfinden. Die 76-Jährige und ihr Enkel reisen mit einem Koffer voller Geld an. In einem Restaurant kommt es zum Treffen mit einem der Geschäftsmänner. Doch dieser nutzt einen günstigen Moment, um mit dem Geldkoffer abzuhauen.

Die Masche: „Rip-Deal“
Die Polizei nennt diese Form des Betrugs „Rip-Deal“. Schätzungen zufolge entsteht durch diese Masche jährlich allein in Deutschland ein Schaden von bis zu 100 Millionen Euro. Die Betrüger gehen im Internet auf Opfersuche. Sie recherchieren nach Verkäufern von Immobilien, Autos oder anderen Gegenständen von höherem Wert. Sie geben sich als zahlungskräftige Interessenten aus – um anschließend das Devisentauschgeschäft anzubieten. Sie locken ihre Opfer mit viel Bargeld nach Italien. Bei dem Treffen stehlen sie in einem günstigen Moment das Geld oder sie übergeben den ahnungslosen Opfern Koffer voller gefälschter Banknoten. Ehe die Opfer den Schwindel bemerken, sind die Täter längst über alle Berge.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Vorsicht bei Interessenten, die jeden Kaufpreis ohne Verhandlung akzeptieren!
  • Lassen Sie sich den Personalausweis zeigen! Geben Sie sich nicht mit einer Handynummer zufrieden!
  • Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen!
  • Achtung bei angeblichen Devisen-Tauschgeschäften!
  • Höchste Alarmstufe, wenn die Geschäftsabwicklung im Ausland (vor allem in Italien) stattfinden soll.
  • Beziehen Sie einen Experten (Rechtsanwalt, Verbraucherberatung, etc.) in die Gespräche mit ein!