Schlecht bezahlt, schlecht ausgebildet – Security-Chef übt Kritik an seiner Branche

Die Uniform der Sicherheitsleute sitzt meistens akkurat. Doch hinter der Fassade gibt es in der Branche Schwarze Schafe, deren Beschäftigte kaum wissen, was sie tun. Das kritisiert der Verbandsvize Friedrich P. Kötter und fordert schärfere Kontrollen.

Einlasskontrollen sind bei Konzerten und Volksfesten längst gang und gebe. Experten fordern angesichts der Terrorgefahr eine bessere Ausbildung für Security-Mitarbeiter.

Essen (dpa) – Der Chef des zweitgrößten deutschen Sicherheitsunternehmens, Friedrich Kötter, kritisiert Schwarze Schafe in der Security-Branche und fordert schärfere staatliche Kontrollen. Die Zugangsvoraussetzungen seien ein «schlechter Witz», sagte er. Bei einfachen Tätigkeiten reichten ein Sitzschein für 40 Stunden Unterrichtung bei der IHK ohne Prüfung und ein polizeiliches Führungszeugnis nach Aktenlage – schon könne man als Sicherheitsmann anfangen.

Die Folge sei, dass sich viele unseriöse Subunternehmer mit ungenügend geschulten Kräften am Markt tummelten, die bestenfalls den Mindestlohn erhielten. «Ungefähr die Hälfte der Anbieter unserer Branche müsste man sich mal näher anschauen.» Die Billigfirmen sorgten für einen scharfen Preiskampf und verschlechterten zudem das Image. «Leider weichen Viele auf Subunternehmen aus, um noch billiger am Markt anbieten zu können.»

Goldgräberstimmung 
Bei privaten Sicherheitsdiensten arbeiten in Deutschland rund 270.000 Beschäftigte. Kötter ist auch Vizepräsident des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW), der nach eigenen Angaben 70 bis 80 Prozent der Branche vertritt. Sein Unternehmen mit Sitz in Essen beschäftigt insgesamt knapp 19.000 Mitarbeiter, davon etwa 12.000 in der Sparte Security.

Die Zahl der Anbieter ist in den vergangenen Jahren stark auf bundesweit rund 5.500 gestiegen, was auch an der hohen Nachfrage für die Bewachung von Flüchtlingsheimen lag. «Da herrschte eine Zeit lang Goldgräberstimmung», sagt Kötter. Er fordert unter anderem eine Überprüfung der Beschäftigten alle drei statt bisher alle fünf Jahre sowie eine Verlängerung des Unterrichts von 40 auf 80 Stunden, eine Abschlussprüfung und die Schaffung eines zentralen Sicherheitsgesetzes wie in anderen europäischen Ländern.

Außerdem müsse die Vergabe von Aufträgen an Subunternehmen erschwert oder wenigstens transparent gemacht werden, sagt er. «Die Aufträge wandern von einem Subunternehmen zum anderen, und jede Stufe will mitverdienen», kritisiert Kötter. «Wer am Ende die Arbeit macht und wie, weiß keiner mehr.»

Terrorgefahr verlangt gut ausgebildetes Sicherheitspersonal 
Die jüngsten Terroranschläge zeigten, dass Angreifer sich nicht mehr auf vergleichsweise gut geschützte Infrastruktur wie Bahnhöfe oder Flughäfen, sondern auf leichter angreifbare Ziele konzentrierten. «Großveranstaltungen wie Konzerte oder Volksfeste müssen ihre Sicherheitsvorkehrungen noch sorgfältiger und umfassender treffen», mahnt Kötter. Dazu gehöre gut ausgebildetes Personal.

In seinem eigenen Unternehmen würden alle Beschäftigten der Sicherheitsbranche für ihr jeweiliges Objekt aus- und weitergebildet, sagt Kötter. Darüber hinaus würden sie regelmäßig mindestens einmal im Monat von Qualitätssicherern aufgesucht. Das koste viel Geld – etwa drei Prozent des Umsatzes – und mindere entsprechend die Marge. Die Kötter-Gruppe hat 2016 mit der Sicherheitssparte und anderen Angeboten wie Reinigung, Personal- und Hausmeisterdiensten insgesamt rund 545 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Archivfoto: Thomas Frey / dpa

16.07.2017  wel