Schunkeln unter Polizeischutz – Sicherheitsmaßnahmen beim Straßenkarneval

Als Reaktion auf die Terroranschläge in Berlin und Nizza rüsten viele deutsche Städte zu Karneval und Fasching in Sicherheitsfragen weiter auf. Die Feierlaune der Jecken soll darunter aber nicht leiden.

Sicherheit im Karneval by Rolf Vennenbernd dpa

VON PETRA ALBERS  (dpa)
Beim fröhlichen Straßenkarneval müssen die Jecken dieses Jahr in vielen deutschen Städten mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen rechnen. Aus Angst vor Terroranschlägen werden Fahrzeugsperren, mehr Ordnungskräfte und teils schwer bewaffnete Polizisten eingesetzt. Die Feierlaune soll das aber nicht beeinträchtigen. «Niemand soll aus Angst auf seine Teilnahme am Straßenkarneval verzichten müssen», sagt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf wie auch in Köln werden einige Straßen an den tollen Tagen mit großen Fahrzeugen, Containern oder Betonblöcken abgesperrt. Bonn, Essen und zahlreiche andere Städte planen ebenfalls Fahrzeugsperren. So soll verhindert werden, dass ein Täter einen Lastwagen in eine Menschenmenge steuert – wie bei den Anschlägen auf einen Berliner Weihnachtsmarkt und auf der Uferpromenade in Nizza geschehen.

Abschreckung mit Maschinenpistolen 
In Düsseldorf und Köln will die Polizei zudem Beamte mit Maschinenpistolen einsetzen. Es gebe zwar keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung, aber ein abstraktes Sicherheitsrisiko. Darauf verweisen auch die Polizei in Nürnberg und anderen bayerischen Städten vor dem Faschings-Wochenende. Züge abzusagen sei vor diesem Hintergrund aber nicht nötig.

Ein mögliches Lkw-Fahrverbot für Teile der Düsseldorfer City wird nach Angaben der Stadt derzeit noch geprüft. In Köln ist dies dagegen bereits beschlossene Sache: Am Karnevalssonntag und Rosenmontag dürfen Lastwagen über 7,5 Tonnen nicht in die Innenstadt fahren.

Köln: Über 2.000 Polizisten auf der Straße 
Schon im vergangenen Jahr hatten viele Städte an Karneval die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Speziell Köln stand damals noch zusätzlich unter dem Eindruck der massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht. Allein an Weiberfastnacht waren daher in der Domstadt mehr als 2.200 Polizisten auf der Straße, um ähnliche Vorfälle zu verhindern. In diesem Jahr werden ebenso viele Beamte präsent sein.

«Jegliche Form von Gewalt hat im Karneval nichts verloren», betont der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies. «Wir gehen deshalb konsequent gegen alle vor, die über die Stränge schlagen. Das gilt für alkoholisierte Aggressoren genauso wie für Sexualstraftäter, die das Nein einer Frau nicht akzeptieren.»

Die Kosten für die verstärkten Sicherheitsanforderungen bringen vor allem den Karnevalisten abseits der großen Hochburgen Probleme. Der Festausschuss Leverkusener Karneval zum Beispiel kalkuliert mit bis zu 5.000 Euro Mehrkosten, die nun größtenteils von Sponsoren übernommen würden. «Wir müssen dieses Mal zusätzliche Straßen absperren, und die Ordner müssen länger arbeiten», erläutert Uwe Krause vom Festausschuss.

Wer soll das bezahlen? 
In Hilden stand der traditionelle Rosenmontagszug sogar kurzzeitig auf der Kippe: Zusätzliches Personal und Sperren sollten mehrere Tausend Euro kosten. Erst ein Sponsor, der acht Fahrzeuge für die Absperrungen bereitstelle, habe den Zug ermöglicht.

Dass wegen der Terrorangst weniger Menschen an Karneval auf die Straße gehen werden, glaubt der Psychologe Stephan Grünewald aus jetziger Sicht nicht. «Karneval ist ein Fest des rauschhaften Vergessens. Man will sich von der Schwere befreien und in eine konsequenzlose Verwandlung eintauchen», sagt der Mitbegründer des Rheingold-Instituts. «In schlechten Zeiten wollen die Menschen erst recht Karneval feiern.»

Archivfoto:  Rolf Vennenbernd / dpa

17.02.2017  wel