Typische Umstände – gibt es die wirklich?

Die übliche Vorstellung, dass Triebtäter ihre Opfer in dunklen Gegenden, Parks, Parkhäusern oder öffentlichen Verkehrsmitteln auflauern und überfallen, entsprechen nur sehr selten der Wirklichkeit. Auch ein möglicherweise aufreizendes Outfit einer Frau vergrößert nicht das Risiko einer Vergewaltigung. Diese Fehleinschätzung ist deshalb gefährlich, weil sie von den eigentlichen Gefahrenpotentialen ablenkt.

Hohe Dunkelziffer
In der Statistik liegen die überfallartig durch einen Fremden begangenen Vergewaltigungen bei etwa 15 Prozent. Berücksichtigt man, dass die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen insgesamt gerade deshalb so hoch ist, weil es sich bei den Tätern um Verwandte oder Bekannte handelt, liegt der tatsächliche Anteil an unbekannten Angreifern wohl wesentlich niedriger.

Zwei Drittel der Täter kommen aus dem sozialen Umfeld
Meist ist der Täter der eigene Ehemann, Freund, häufig auch der Ex-Partner, Arbeitskollege, Ausbilder, Arzt, Therapeut, ein Bekannter oder Nachbar. Und fast nie gibt es zunächst Grund zum Misstrauen. Ein Viertel der Opfer werden vom (Ex-)Ehemann oder -Partner vergewaltigt, zum Teil mehrfach. Hier geht es nicht um Sexualität, sondern um sexuelle Gewalt als Mittel der Konfliktlösung und der Machtdemonstration.