Vier Tote, über 20 Verletzte – 37-Jährige legt in ihrer Wohnung Feuer

Vier Tote, mehr als 20 Verletzte: Einen Tag nach einem Feuer in Saarbrücken sitzt eine Frau in Untersuchungshaft. Ihr wird «Brandstiftung mit Todesfolge» vorgeworfen.

Durch Rauchgas kamen vier Bewohner dieses Hauses in Saarbrücken ums Leben, Mehr als 20 Personen wurden verletzt. Eine 37-jährige Frau soll das Feuer in ihrer Wohnung absichtlich gelegt haben.

Saarbrücken (dpa) – Feuer mit vier Toten in einem Saarbrücker Wohnhaus: nach Lage der Dinge war es Brandstiftung. Eine 37 Jahre alte Bewohnerin des Hauses sitzt seit Montag deswegen in Untersuchungshaft, wie das Amtsgericht Saarbrücken mitteilt. Bei dem Feuer waren am Sonntag vier Menschen getötet und 25 verletzt worden. Ein 42 Jahre alter Mann sprang aus einem Fenster und verletzte sich lebensgefährlich.

Die 37-Jährige soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft Saarbrücken das Kopfkissen ihres Bettes mit Feuerzeugbenzin getränkt und angezündet haben. Anschließend verließ sie die Wohnung. So habe sie zumindest leichtfertig den Tod von vier Menschen verursacht.

U-Haft für mutmaßliche  Brandstifterin 
Die Frau war am späten Sonntagabend festgenommen worden. Laut Staatsanwaltschaft war sie auf das Gelände zurückgekehrt und soll sich als Verursacherin des Brandes zu erkennen gegeben haben. Sie sei zuvor bereits mehrfach wegen Vermögensdelikten aufgefallen. Sie wurde in die Justizvollzugsanstalt Zweibrücken gebracht. Zu ihrem Motiv konnte die Staatsanwaltschaft «aus ermittlungstaktischen Gründen» bisher keine Angaben machen.

Die Polizei geht davon aus, dass das Feuer gegen 13.30 Uhr in der Wohnung der festgenommenen 37 Jahre alten Frau im ersten Obergeschoss ausbrach. Das Feuer blieb nach Angaben der Polizei auf die Wohnung begrenzt. Es breitete sich aber schnell im ganzen Haus Rauchgas aus. Die vier Menschen kamen durch Rauchgasvergiftung ums Leben. Nach Angaben eines Sprechers der Feuerwehr gab es in dem Haus Rauchwarnmelder. Feuerwehrleute hätten bei dem Einsatz von einzelnen piepsenden Geräten berichtet. Ihre Anzahl sei aber «eher nicht ausreichend» gewesen. Vorgeschrieben sind die Rauchwarnmelder in Schlafräumen und auf Wegen, die von dort ins Freie führen.

Viele Hausbewohner vor dem Nichts 
Viele der rund 55 Bewohner haben alles verloren. «Wir gehen davon aus, dass mindestens die Hälfte vor dem Nichts steht», sagte der Vorsitzende des Vereins Brandopferhilfe Saarland, Holger Staab, heute in Saarbrücken. Noch sei unklar, wann und ob die Menschen in das Haus zurückkehren könnten. Das Haus werde diese Woche noch für Ermittlungen gesperrt bleiben, sagte der Polizeisprecher. Ruß und Rauchgas hätten sich im ganzen Haus niedergeschlagen. Wann es wieder bewohnbar ist, sei offen.

Nach Angaben der Brandopferhilfe deckten sich einige Bewohner bereits gestern Abend beim Verein mit Kleidung ein. «Viele haben uns kontaktiert, die meisten sind noch unter Schock», sagte Staab. Sie seien in Wohnungen der Stadt untergebracht worden, andere wohnten bei Freunden oder Verwandten. «Nun werden Geldspenden benötigt», sagte Staab – für neuen Wohnraum und Lebensmittel. Es handele sich bei den Betroffenen vor allem um sozial schwache Menschen, die keine Versicherungen abgeschlossen hatten.

Foto: Becker & Bredel / dpa

05.12.2017  wel