Missbrauchtes Mädchen (4) erlöst – Kinderpornografie: Schneller Fahndungserfolg

In einem ungewöhnlichen Schritt haben Ermittler Fotos eines Kindes veröffentlicht, um einen Vergewaltiger zu fassen. Nur Stunden später meldete das BKA einen Fahndungserfolg.

Allein auf der Kinderporno-Plattform «Elysium» trafen sich bis vor drei Monaten 87.000 User aus aller Welt. Seit Juli existiert dieses Internet-Forum nicht mehr.

Wiesbaden/Frankfurt (dpa) – Nach einer aufsehenerregenden Fahndung mit Fotos eines missbrauchten kleinen Mädchens berichten die Ermittler über die Festnahme eines Tatverdächtigen. Der 24-Jährige aus dem niedersächsischen Landkreis Wesermarsch stammt «aus dem persönlichen Umfeld des kleinen Kindes», so der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk, heute Morgen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Verdächtige sei «kein Unbekannter der Familie» gewesen. Nähere Angaben zu dem Festgenommenen wollen die Ermittler noch nicht machen.

Die «Bild»-Zeitung berichtet, es handele sich um einen guten Bekannten der Mutter des Kindes. Sie, das Kind und dessen Großeltern seien wenige Stunden nach Beginn der Öffentlichkeitsfahndung auf einer Polizeistation erschienen und hätten Anzeige erstattet.

Der Mann war Gleich darauf festgenommen worden. Er soll das Kind zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 mehrfach schwer sexuell missbraucht haben. Überdies soll er Aufnahmen des sexuellen Missbrauchs gemacht und diese anschließend auf einer kinderpornografischen Plattform im sogenannten «Darknet» verbreitet haben.

Opfer ist vier Jahre alt 
Das Mädchen sei vier Jahre alt und  – wie der Tatverdächtige – Deutsche. Es sei sofort von einem Polizeipsychologen untersucht worden und inzwischen wieder in elterlicher Obhut, sagte er. Dem Kind gehe es den Umständen entsprechend gut.

Ungefuk hatte den ungewöhnlichen Schritt, Fotos vom Opfer zu veröffentlichen, gestern folgendermaßen begründet: «Das ist die letzte Maßnahme, um den Täter zu identifizieren. Darauf greifen wir nur zurück, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht zum Ziel geführt haben.» Zudem sei Dringlichkeit geboten: «Wir gehen davon aus, dass das Kind weiter dem Zugriff des Täters ausgesetzt ist», hatte Ungefuk gesagt.

Kinderpornos-Szene vorwiegend im «Darknet» 
Die Kinderporno-Szene spielt sich nach Einschätzung von Ermittlern mittlerweile überwiegend im «Darknet», dem verborgenen Teil des Internets, ab. Dort können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen. Dieser Bereich des Internets wird von Menschen genutzt, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben – aber auch von Kriminellen.

Archivfoto:  Arne Dedert / dpa   (Bildbearbeitung: e110)

10.10.2017  wel