Von wegen Polizei!

Falsche Beamte zocken ab

 (XY-Spezial vom 26. Oktober 2016)
Im September 2015 erhält eine 82-jährige, vermögende Frau einen mysteriösen Anruf: Ein angeblicher Kommissar vom Bundeskriminalamt behauptet, er ermittle verdeckt gegen eine türkische Diebesbande. Die Kriminellen sollen es auf das Vermögen der Rentnerin abgesehen haben.

Szenenfoto

XY-Szenenfoto: Brigitte Kaufmann erhält einen Anruf von der Kripo. Die Polizei braucht ihre Ersparnisse angeblich als Lockmittel für Ganoven.

Die Anweisung des falschen BKA-Beamten: Die Rentnerin soll ihr Geld ins Ausland überweisen, um die türkischen Täter aus ihrem Versteck zu locken. Beim Geldabholen werde man die Täter dann festnehmen. Die alte Dame transferiert mehrere tausend Euro ins Ausland.

Ein Anruf nach dem anderen
Doch damit nicht genug: Unter fadenscheinigen Begründungen rät der angebliche Oberkommissar der Rentnerin, einen weiteren Teil ihres Geldes aus Sicherheitsgründen in Gold anzulegen. Auch dies tut die verängstigte Rentnerin. Die Argumente des falschen Beamten klingen für sie plausibel. Das Gold soll sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion ins 200 Kilometer entfernte Berlin bringen. Über Handy bekommt sie die Anweisung, wo sie das Gold zur Abholung verstecken soll.

Immer weiter spinnen die Betrüger ihr Lügenkonstrukt. Die 82-Jährige büßt nach und nach ihr gesamtes Vermögen ein. Am Ende steht eine verzweifelte Dame, die sich ihr eigenes Handeln nicht erklären kann und mit Selbstmordgedanken spielt.

Szenenfoto

XY-Szenenfoto: Die Opfer können nicht erkennen, dass der angebliche Kriminalbeamte in einem Call-Center sitzt.

Die Masche: Falscher Kriminalbeamter
Der geschätzte Schaden durch falsche Kripobeamte addiert sich derzeit nach Schätzungen der Polizei auf 30 bis 40 Millionen Euro. Auffällig: Viele Opfer haben vor einiger Zeit an Gewinnspielen teilgenommen und dort ihre Telefonnummern angegeben. Dieser Daten bedienen sich jetzt die Betrüger, um ihre Opfer zu kontaktieren. Telefonisch setzen sie die betagten Opfer mit angeblichen verdeckten Ermittlungen unter Druck – so lange, bis sie ihr gesamtes Vermögen ins Ausland transferiert haben. Laut Polizei agieren die meisten Täter bandenmäßig von türkischen Call-Centern aus.

Vorbeugetipps zu falschen Kripobeamten:

  • Werden Sie misstrauisch beim Stichwort „verdeckte Ermittlungen“!
  • Geben Sie keine persönlichen Auskünfte am Telefon – erst recht nicht über ihre Vermögensverhältnisse!
  • Bei dubiosen Anrufen: Notieren Sie die Telefonnummer vom Display und legen Sie auf!
  • Keine falsche Scham! Erstatten Sie – vor allem wenn Sie reingefallen sind – Anzeige bei der Polizei!
  • Vertrauen Sie sich Ihren Angehörigen an!