Beute: Wertvolle Uhren

Juwelier zweimal überfallen

(XY vom 31. Oktober 2018) 
2017 war kein gutes Jahr für das traditionsreiche Juweliergeschäft in der Koblenzer Innenstadt. Noch nie war das Geschäft in der Fußgängerzone überfallen worden. Doch dann, im vergangenen Jahr, gleich zweimal hintereinander.

XY-Szenenfoto

6. April 2017. Als ein Rentner seinen Hund spazieren führt, macht er unter der Koblenzer Kurt-Schuhmacher-Brücke in der Nähe des Rheins eine merkwürdige Beobachtung. Drei Männer mit Mountainbikes starten offenbar zu einer Radtour, obwohl das Wetter dafür überhaupt nicht geeignet ist. Schon deshalb kommen die Männer dem Hundebesitzer nicht geheuer vor. Darum dreht er bald um und kehrt zurück zu seinem Auto. Dort sieht er gerade noch, wie die Radler ihre Tour starten – in Richtung Innenstadt.

Wert der Beute: eine halbe Million Euro
Wie die Kripo später feststellt, fahren die Männer getrennt durch die Fußgängerzone. An einem großen Parkhaus treffen sie sich und schließen ihre Räder an. Kurz darauf steht einer der drei vor einem Juweliergeschäft und klingelt. Nach kurzem Blickwechsel wird er eingelassen. Kaum hat er den Laden betreten, stürmen hinter ihm zwei weitere Männer herein. Die beiden Angestellten, die sich zu dieser Zeit im Verkaufsraum befinden, hält er mit der Pistole in Schach. Währenddessen zertrümmern die beiden anderen Täter mit einer Axt die Glastüren der Schaufenster. In kürzester Zeit sind die Auslagen leer geräumt. 75 wertvolle Armbanduhren im Gesamtwert von über einer halben Million Euro landen in den Umhängetaschen der Täter.

Während seine Komplizen Beute machen, hält der Wortführer die Angestellten in Schach.

Der Überfall bleibt in den Büroräumen und in der Werkstatt des Juweliergeschäfts nicht unbemerkt. Durch ein kleines Fenster verfolgen die Angestellten fassungslos, wie die Kollegen im Laden mit erhobenen Händen den Überfall über sich ergehen lassen müssen. Eine junge Buchhalterin reagiert schnell. Sie zückt ihr Smartphone und fotografiert die Täter. Ausgerechnet an diesem Tag sind die Überwachungskameras des Juweliers wegen eines Defekts außer Betrieb.

Die Überwachungskamera nahm den Wortführer beim Überfall im Dezember 2017 auf.

Radelnde Täter entkommen
Ein weiterer Angestellter verfolgt die Täter, als sie fluchtartig das Geschäft mit ihrer Beute verlassen. Doch als die Männer sich auf ihre Mountainbikes schwingen, muss er aufgeben. Trotz einer sofort eingeleiteten Fahndung entkommen die Männer. Drei Wochen später werden in einem Bach etwa 50 Kilometer von Koblenz entfernt die Umhängetaschen und andere Ausrüstungsgegenstände der Täter gefunden.

Kurz vor Weihnachten, am 13. Dezember 2017, wird das Juweliergeschäft in Koblenz erneut überfallen. Wieder von drei Männern, wieder nach demselben Muster. Auch diesmal machen die Täter reiche Beute. Allerdings funktioniert die Überwachungsanlage jetzt und filmt den Wortführer, während er die Angestellten in Schach hält. Die Täter gehen diesmal brutaler vor. Die Angestellten müssen sich während des Überfalls auf den Boden legen. Bevor die Täter den Laden verlassen, versprühen sie noch Reizgas im Verkaufsraum. Vier Angestellte müssen sich wegen Atembeschwerden und entzündeten Augen behandeln lassen. Bis heute sind die Täter, die einer organisierten osteuropäischen Bande angehören dürften, nicht ermittelt.

So soll der Wortführer beim ersten Überfall ausgesehen haben.

Personenbeschreibungen:
Die 20 bis 30 Jahre alten Männer, die am 6. April 2017 das Juweliergeschäft überfallen haben, werden folgendermaßen beschrieben:
Wortführer: 1,75 bis 1,80 m groß, schlank, auffällig große Brille mit schwarzem Gestell; Kleidung: graue Schiebermütze, grauer Anzug, weißer Pullover, hellgraue Schuhe mit weißen Sohlen.
Komplize 1: etwas kleiner, 1,70 bis 1,75 m groß, kräftig. Seine Bekleidung: Baseballkappe in Tarnfarbe, blau-grün-karierte Jacke, graue Hose, schwarze Schuhe mit weißen Sohlen. Maskiert war er mit einem dunklen Tuch.
Komplize 2: ebenfalls 1,70 bis 1,75 Meter groß, schlank; Kleidung: Baseballkappe, grauer Kapuzenpullover, rote oder rostfarbene Trainingshose, helle Sportschuhe.

Der Wortführer bei dem Überfall am 13. Dezember 2017 war etwas älter, Anfang 40, 1,70 bis 1,85 m groß und von normaler Statur. Er hatte einen rötlichen Vollbart und trug ebenfalls eine große dunkle Brille. Seine Kleidung: braune Schiebermütze, braune oder olivgrüne Winterjacke mit Pelzkragen oder Kapuze mit Pelz, Blue-Jeans, braune Schuhe.

Gefundene Gegenstände:
In einem Bachlauf etwa 50 Kilometer von Koblenz entfernt haben die Täter nach dem ersten Überfall mehrere Ausrüstungsgegenstände weggeworfen:

  • zwei Umhängetaschen, schwarz, rechteckig und oval, beide weiß umsäumt, mehrere aufgesetzte Ta­schen, Marken der Taschen nicht bekannt.
  • eine Axt, Marke „Alpha Tools“, vermutlich extra für Überfall in bekanntem. Baumarkt gekauft;
  • Lupe mit schwarzem Kunststoffgriff.

Fragen nach Zeugen:

  • Wer hat am Vormittag des 6. April 2017 in Koblenz das Aus- bzw. Einladen der Mountainbikes vermutlich an einem Transporter eventuell mit osteuropäischen Kennzeichen beobachtet?
  • Wer kann Auskunft darüber geben, wo die drei Männer am 5./6. April 2017 vermutlich im Raum Koblenz übernachtet haben?

Belohnung: Für Hinweise, die zur Aufklärung des Überfalls vom 6. April 2017 führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

Zuständig: Kripo Koblenz, Telefon: 0261 / 10 32 345