Wo die Liebe hinfällt

Betrugsopfer: einsame Frauen

(XY-Spezial vom 26. Oktober 2016)
Nach dem tragischen Tod ihres Mannes lernt eine 45-jährige Frau bei einer Partnerbörse im Internet einen amerikanischen Soldaten kennen. Aus dem anfänglichen Flirt wird bald eine Liebesbeziehung. Zumindest denkt das die alleinerziehende Mutter. Doch der neue Bekannte ist nicht der ideale Lover, für den er sich ausgibt. Er ist nur auf eines aus …

Szenenfoto

XY-Szenenfoto:  Die junge Witwe Hannah Westphal sehnt sich nach einer neuen Beziehung und nach einem neuen Vater für ihren Sohn.

Der Fremde ist angeblich alleinerziehender Vater zweier Kinder. Seine Frau sei verstorben. Er umgarnt die 45-Jährige monatelang mit Komplimenten und Heiratsversprechen. Er schickt ihr Fotos. Darauf ist ein gut aussehender Soldat zu sehen. Doch sein Profil ist ein Fake. Zu einem persönlichen Treffen kommt es nie.

Geldforderungen
Stattdessen will James Dickey – so nennt er sich – plötzlich Geld. Er gibt an, nach Afghanistan versetzt worden zu sein. Sein Kommandeur habe im Einsatz ein „wertvolles Metall“ sichergestellt, dass er nun zu ihr nach Deutschland schicken wolle. Die alleinerziehende Mutter soll jedoch die Versandkosten übernehmen – 2.500 Euro. Sie tut es – auch, weil ihre Liebe inzwischen größer ist als jede Vernunft.

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XY-Szenenfoto: Per Internet sucht Hannah Westphal Kontakt zu einem neuen Partner.

Kurz darauf: Jetzt soll sie weitere 19.000 Euro für anstehende Zolldokumente vorstrecken. Und so geht es weiter. Immer wieder tischt der falsche Liebhaber der 45-Jährigen neue Lügengeschichten auf, bis sie am Ende 120.000 Euro auf verschiedene Konten ins Ausland überwiesen hat. Und plötzlich ist „James Dickey“ nicht mehr erreichbar: Die 45-Jährige erstattet Anzeige gegen den Betrüger. Doch ihr Geld ist wohl für immer verloren.

Die Masche: „Romance Scamming“
Die Kripo kennt diese Betrugsmasche nur zu gut. Der Fachbegriff: „Romance Scamming“ oder „Love Scam“. Das Vorgehen ist immer dasselbe: Zuerst erstellen die Betrüger ein falsches Profil mit Hilfe von Fotos und Lebensläufen aus dem Internet. Anschließend kontaktieren Sie auf Partnerbörsen ihre zukünftigen Opfer.

Es folgt ein reger Kontakt via Mail, SMS oder Telefon. Zu privaten Treffen kommt es nie.  Die Täter binden die Opfer emotional an sich. Bis die Angst, den neuen Partner zu verlieren, größer ist als jede Vernunft. Dann kommen erste Forderungen nach Geld. Das bittere Ende: 100.000 bis 150.000 Euro Schaden. Zu den finanziellen Verlusten kommen noch die Enttäuschung über den gemeinen „Liebhaber“ und mögliche andere psychischen Folgen.

„Nigeria Connection“
Nach Erkenntnissen der Polizei liegt der Ursprungsort dieser Betrugsmasche in Nigeria  – ein weiteres Betätigungsfeld der altbekannten „Nigeria Connection“. Inzwischen gibt es aber auch viele Nachahmer in anderen Ländern, die ebenso professionell vorgehen. Die Täter zu orten oder zu fassen, ist für deutsche Behörden so gut wie aussichtslos. Das Geld der Opfer ist in aller Regel für immer verloren.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Werden Sie hellhörig bei Kontakten auf Partnerbörsen, in denen nur auf Englisch kommuniziert wird und  bei überraschend schnellen Liebesbekundungen.
  • Die Betrüger agieren meist nur per Mail, Telefon oder Handy. Bestehen Sie deshalb auf private Treffen!
  • Die Aufforderung, im Voraus Geld zu schicken, ist immer unseriös!
  • Sie haben den Verdacht, Ihr potentieller Partner könnte ein Romance-Scamming-Betrüger sein? Recherchieren Sie im Internet! Geben Sie den Namen der Bekanntschaft in eine Suchmaschine ein – eventuell mit dem Zusatz „Betrug“ oder „Scammer“. Sollte etwas faul an der Geschichte sein, finden Sie hier garantiert jede Menge Warnungen.