Angebot und Nachfrage steigen

BKA stellt «Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2021» vor

Rauschgifthändler benutzen für ihre Geschäfte immer mehr das Internet und Social-Media-Kanäle. Die Ermittler des BKA beobachten auch vermehrt große Lieferungen von Drogen in Deutschland. 

Sichergestelltes Kokain

VON BERND GLEBE  (dpa)
Der Drogenhandel nimmt in Deutschland zu. «Wir sehen in Deutschland eine große Nachfrage nach Rauschgift», sagte die Vizepräsidentin des Bundeskriminalamts (BKA), Martina Link, gestern in Wiesbaden. Es gebe viele Tätergruppen, die mit Rauschgift im großen Stil handelten. Das sei ein ernstzunehmendes Problem in Deutschland. Insgesamt sank die Zahl der bundesweiten Rauschgiftdelikte 2021 im Vergleich zum Vorjahr aber um 1,3 Prozent.

Drogenhandel und Drogenschmuggel seien die wesentlichen Einnahmequellen der Organisierten Kriminalität, sagte Link. Fast die Hälfte dieser Gruppierungen sei im Bereich des international organisierten Rauschgifthandels tätig.

Etwas weniger Tatverdächtige  
Von den rund 361.000 Rauschgiftdelikten, die im Jahr 2021 registriert wurden, entfielen laut BKA rund 56.000 auf den Handel mit Drogen. Das sei eine Zunahme von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erklärte Link. Fast 48.000 Tatverdächtige seien wegen des illegalen Rauschgifthandels in Deutschland ermittelt worden. Insgesamt ging die Gesamtzahl der Tatverdächtigen im Zusammenhang mit Rauschgiftdelikten – also auch wegen des Besitzes und Erwerbs – mit fast 281.000 Personen im Jahresvergleich leicht zurück.

Die größte Zahl der festgestellten Rauschgiftdelikte mit fast 60 Prozent habe es im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Cannabis gegeben. Bei Amphetamin habe der Anteil bei rund zehn und bei Kokain etwa sechs Prozent gelegen. Auf Heroin und Chrystal seien etwa drei Prozent entfallen, erklärte die Ermittlerin bei der Präsentation des «Bundeslagebilds Rauschgiftkriminalität 2021».

Umschlagsplatz Internet  
Das Rauschgift werde nicht nur auf dem klassischen Weg auf der Straße angeboten und gehandelt, sondern zunehmend auch im Internet. Die Täter nutzten dabei vor allem das Darknet, aber auch Social-Media-Seiten und Messenger-Dienste. Dieser Trend habe sich im zweiten Jahr der Corona-Pandemie weiter verstetigt und mache die Strafverfolgung sehr aufwendig, berichtete die BKA-Vizepräsidentin.

Mit dem internationalen Rauschgifthandel erzielten die Täter Milliardengewinne. Diese illegalen Gewinne würden entweder in die Drogengeschäfte re-investiert. Oder das Geld fließe in die legale Wirtschaft und dabei in Immobilien, die Gastronomie oder Spielotheken, erklärte die Ermittlerin. «Ohne die große Nachfrage nach Rauschgift wäre der illegale Handel nicht so lukrativ, wie er es ist», betonte Link und wies auch auf die hohe Gewaltbereitschaft bei der Organisierten Kriminalität hin.

Forderung nach flächendeckender Suchtprävention
1.826 Menschen starben in Deutschland im vergangenen Jahr an den Folgen ihrer Drogensucht. Das entspricht nach Angaben des Bundeskriminalamts einer Zunahme um 15,5 Prozent im Jahresvergleich. Hauptursachen für den Tod waren demnach der Konsum von Heroin und Opiat-Substitutionsmitteln.

«Wir müssen mehr tun, damit Menschen gar nicht erst zu gefährlichen Drogen greifen, oder, wenn sie es doch tun, davon wieder loskommen», mahnt der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert. «Deswegen brauchen wir in Deutschland eine wirklich flächendeckende Suchtprävention, die hält, was sie verspricht.» Die Nachfrage nach Drogen müsse gesenkt werden. Es müsse ausreichend finanzierte Beratungsangebote geben. Auch im Internet sollte mehr flächendeckende Beratung angeboten werden. 

Download: Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2021 des BKA

Foto:  Boris Roessler / dpa

11.11.22 wel