Angst in Bussen und Bahnen

Verantwortliche warnen: Angriffe auf Zugbegleiter nehmen erschreckend zu

Berlin/Hannover/Brermen (dv). Die Verletzungen werden bald verheilt sein, doch mit dem Trauma wird sich die 38-jährige Zugbegleiterin vermutlich noch lange herum plagen müssen: Ohne Vorwarnung wurde sie auf der Fahrt von Hamburg nach Bremen von vier jungen Männern sexuell belästigt und verprügelt.

Die Frau aus Hamburg ist inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sie ist aber arbeitsunfähig und wegen eines traumatischen Schocks bislang noch nicht vernommen worden. Den Angaben der Bundespolizei zufolge gibt es immer wieder Übergriffe auf Zugbegleiter. Dieser Fall sticht aber wohl heraus“, sagte der Sprecher angesichts der Brutalität, mit der die Männer gegen die Geschädigte vorgingen.

Die Bahngesellschaft Metronom bestätigte, dass Angriffe auf Zugbegleiter in letzter Zeit stark zunehmen würden. Die Zugbegleiter werden angerempelt, bespuckt und beschimpft.  „Wir brauchen mehr Bundespolizei entlang der Bahnstrecken“, sagt Tajana Festerling, Sprecherin der Metronom-Bahngesellschaft, die den betroffenen Zug betreibt. „Was nützt es denn, wenn wir die Kommunikation mit dem Beamten verbessern, dann aber bei einem Vorfall hören, die Polizei habe die Kräfte nicht?“ Es gebe Streckenabschnitte, auf denen die Wachen nicht mehr besetzt seien. Außerdem regt sie neue Rechte für Verkehrsunternehmen an: „Wir dürfen selbst uns bekannte Hooligangruppen oder wiederholt aggressive Fahrgäste nicht von der Beförderung ausschließen.“ Dem stehe das Personenbeföderungsgesetz entgegen, das jedem ein Recht auf Mobilität einräume. „Darüber muss man nachdenken“, sagte Festerling.

Kein Alkohol mehr im Zug
Die Zunahme der Gewalt sei für die Bahngesellschaft auch ein Grund gewesen, im November ein Alkoholverbot in den Zügen einzuführen. Dadurch sei die Zahl der Straftaten erheblich zurückgegangen. Das Verbot schütze allerdings nicht davor, wenn, wie in diesem Fall, die Täter bereits vor Fahrtantritt stark alkoholisiert seien.

Auch die Gewerkschaft der Polizei hat eine massive Aufstockung des Sicherheitspersonals in S- und U-Bahnen gefordert. Da man anhand der Einsparungen im öffentlichen Dienst schon jetzt auf den letzten Reserven fahre, soll aber nicht die Polizei, sondern privates Sicherheitspersonal für Recht und Ordnung im öffentlichen Personenverkehr sorgen. Private Sicherheitsdienstleister könnten als Ansprechpartner für Fahrgäste in Verkehrsmitteln mitfahren oder an Stationen patroullieren.

Derzeit werden nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen bereits rund 3.500 solcher privaten Sicherheitsdienstleister – also speziell auf Deeskalation geschultes und ausgebildetes Sicherheitspersonal – im öffentlichen Personenverkehr eingesetzt.

Auf Bahnhöfen helfen Videos
Mehr als 1300 Videos von Angriffen oder Sachbeschädigung in U-Bahnen haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im vergangenen Jahr den Sicherheitsbehörden übergeben oder selbst ausgewertet. Insgesamt gab es 2000 Anfragen von Polizei, Bundespolizei, Staatsanwälten oder aus der BVG selbst. Fast immer ging es um Vorfälle in den Bahnhöfen (1163), in 35 Fällen auch um Taten in der U-Bahn. Nach Angaben der BVG wurde besonders häufig angefragt wegen Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Graffitischäden, Angriffen auf das Personal, Streit unter Fahrgästen und Fahrgastunfällen angefragt.

24.05.2010 dv