Asylbewerber wollte Abschiebung verhindern: Überfall wohl nur erfunden

Schwerin (dpa/mv). Sechs Wochen nach dem vermeintlich rassistisch motivierten Angriff auf einen 20-jährigen Asylbewerber in Schwerin hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Für die Behörde bestehe nach Abschluss der Nachforschungen «der hinreichende Verdacht», dass der junge Ghanaer den Überfall erfunden hat, um der drohenden Abschiebung zu entgehen. Gegen den Mann werde nun wegen des Verdachts auf Vortäuschen einer Straftat ermittelt, verkündete die Schweriner Staatsanwaltschaft.

So habe die Kontrolle der Telefonverbindungsdaten gezeigt, dass der Mann im fraglichen Zeitraum nicht, wie behauptet, den Notruf der Polizei gewählt, sondern länger mit einer Frau gesprochen hat. Zudem passten die geschilderten Gewalteinwirkungen nicht zum rechtsmedizinisch festgestellten Verletzungsbild und zur Spurenlage.

Der inzwischen nach Italien abgeschobene Mann hat laut Staatsanwaltschaft kurz vor Weihnachten angegeben, dass ihn drei unbekannte Männer überfallen, verfolgt, geschlagen und ihm seine Brieftasche mit den Worten «Ausländer raus» weggenommen haben. Der Opferhilfeverein Lobbi hatte die Ausweisung des 20-Jährigen in der Annahme, dass dessen Angaben stimmen, als «ungeheuerlich» kritisiert.

31.01.2015 Ta