Ausbruchsversuch in Lübeck

Vier Häftlinge bedrohen einen Wächter und versuchen zu fliehen

Lübeck (dpa). Vier Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck haben an Heiligabend einen Wächter mit einem Messer bedroht und versucht zu fliehen. Einer der Gefangenen lockte den Beamten mit einem vorgetäuschten epileptischen Anfall in eine Zelle, wie die Leiterin der JVA, Agnete Mauruschat, bekanntgab. Anschließend überwältigten sie den Wächter und forderten, er solle die Tür der Station öffnen. In dem Moment kam ein weiterer Beamter dazu und löste einen Alarm aus. Daraufhin wurden die vier Häftlinge überwältigt. Das Messer gehörte zur Ausstattung der Zelle.

Der 22 Jahre alte mutmaßliche Rädelsführer wurde nach Angaben von Mauruschat gestern in eine Haftanstalt in einem anderen Bundesland verlegt. Der Mann soll ein Tötungsdelikt begangen haben und saß deshalb in U-Haft. Seine drei Komplizen im Alter von 50, 37 und 24 Jahren sitzen wegen des Verdachts des Raubes beziehungsweise des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in Untersuchungshaft.

Bereits 2012 hat ein Strafgefangener während eines Gottesdienstes in der Lübecker JVA eine Vollzugsbeamtin angegriffen. Trotz der Kritik des damaligen Gefängnisleiters an der schlechten Personalsituation sei nichts passiert, kritisierte die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Der Vorsitzende der GdP-Regionalgruppe Justizvollzug, Thorsten Schwarzstock, fordert grundlegende Veränderungen im Strafvollzug. «Die Justizvollzugsbeamtinnen und -beamten haben immer weniger Vertrauen zu ihren Vorgesetzten, zum Ministerium und zur Landesregierung», erklärte er in Kiel. «Personalmangel in den Haftanstalten, wachsende Verunsicherung unter den Bediensteten, schwindendes Vertrauen zu Vorgesetzten, immer weniger Zeit für Gefangene – die Basis schlägt Alarm.»

26.12.2014 Ta