Babymorde: Zweite Chance für Ermittler

Zwickau (dapd-lsc). Die sächsische Polizei hegt Hoffnung, die ungeklärten Babymorde von Schwarzenberg und Rotava doch noch aufzuklären. Durch den Fund der zweiten Leiche haben wir eine zweite Chance, beide Fälle zu lösen“, sagte Chefermittler Michael Mundt am Dienstag in Zwickau. Grund seien neue Erkenntnisse, die sich durch den Fund einer zweiten Leiche im Juni diesen Jahres nahe dem tschechischen Ort Rotava ergaben. „Wir gehen nun von einer vertuschten statt einer verdrängten Schwangerschaft aus. Dadurch ergibt sich für uns ein neues Täterprofil“, sagte Mundt.

Im Januar 2011 war der erste tote Säugling im Schwarzenberger Ortsteil Sonnenleithe in einem Altkleidercontainer gefunden worden. Im Juni diesen Jahres wurde eine zweite männliche Babyleiche nahe dem tschechischen Ort Rotava entdeckt. Ein Abgleich der DNA beider Kinder ergab, dass es sich um Brüder handelt.

Neues Täterprofil
Zu den neuen Ermittlungsansätzen gehört ein dunkler Mittelklassewagen mit deutschem Kennzeichen, der sowohl in Schwarzenberg als auch in Rotava gesehen worden war. Zudem beschrieb eine Zeugin einen Mann, den sie am Fundort der zweiten Leiche in Rotava beobachtete. Dabei handelt es um einen 1,80 Meter großen Mann im Alter von 30 bis 40 Jahren mit gepflegtem Äußeren, der in das Fahrzeug am späteren Fundort der Leiche stieg.

Die Polizei, die bislang vor allem nach der Mutter gefahndet hatte, will die Ermittlung deshalb auf einen möglichen männlichen Täter ausweiten. Zudem gehe man von einem anderen Tätertyp aus, sagte Mundt. „Die Tötungen erfolgten gezielt und wir glauben, dass die Täter wollten, dass man die Kinder findet und ordentlich begräbt“, sagte Mundt. Zudem werde auch ein möglicher Inzest in Betracht gezogen.

Soko hofft auf entscheidenden Hinweis
Die Ermittlungen in dem Fall ziehen sich seit eineinhalb Jahren hin. Im Fall der ersten Leiche war die Polizei mehr als 3.000 Hinweisen nachgegangen und hatte unter anderem den größten Massen-Gentest an Frauen in der sächsischen Kriminalgeschichte gestartet. Obwohl die Ermittlungen erfolglos verliefen und kurz vor der Einstellung standen, glaubt die Polizei jetzt, den Eltern der toten Jungen bereits sehr nahe gekommen zu sein. „Möglicherweise wurde das zweite Kind in Tschechien abgelegt, weil der Druck in Deutschland zu groß war“, sagte Mundt. 
Auch „Aktenzeichen XY… ungelöst“ hatte über den „Fall Schwarzenberg“ ausführlich berichtet.

Die neuen Ermittlungen laufen nun in Kooperation mit den tschechischen Behörden. Die Sonderkommision Sonnenleithe wurde auf sieben Beamte aufgestockt. Gleichwohl sei man auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, insbesondere zum sozialen Umfeld der Mutter, betonte Mundt. „Wir setzen große Hoffnung auf Zeugen aus Firmen, Krankenhäusern oder Sportvereinen, denen eine Frau aufgefallen ist, die plötzlich ihren Lebensrhythmus geändert hat“, sagte er.

15.08.2012 Ta