Club der Rächerinnen

Liebesbetrüger in der Falle

(XY-Spezial vom 26. Februar 2020)
Wenn man selbst in die Falle eines Betrügers getappt ist, gibt es zwei Möglichkeiten: die peinliche Angelegenheit in eine Schublade sperren und nie wieder herausholen. Oder man steht zu seiner Panne und macht das Beste draus – nämlich andere vor dem gleichen Fehler bewahren. Erika Linde fiel einem „Love-Scammer“ zum Opfer. Jetzt will sie andere vor diesen Betrügern warnen.

XY-Szenenfoto

„Love-Scammer“ nennt man Betrüger, die im Internet Frauen anflirten, es in Wahrheit aber nur auf ihr Geld abgesehen haben. Mit gestohlenen Fotos und erfunden Geschichten gaukeln sie ihren Opfern über Wochen und Monate hinweg Freundschaft oder gar die große Liebe vor. Bis sie angeblich in eine finanzielle Notlage geraten und dringend Hilfe brauchen.

Die Stories
Die Geschichten, die die Betrüger ihren Opfern auftischen, ähneln sich meist. Oft geben Sie sich als US-amerikanische Soldaten aus, die sehr vermögend sind, im besten Alter, verwitwet, mit Kind im Internat. Im Nahen Osten stationiert, kommen sie schlecht an Geld. Deshalb soll die einzige Vertrauensperson, die Frau, mit der sie sich ein Leben vorstellen können und die sie sogar heiraten wollen, finanziell aushelfen. Sie bekomme das Geld auch ganz bestimmt wieder.

Die erfundenen Geschichten:

  • Der Betrüger benötigt ein Geburtstagsgeschenk für das Kind im Internat.
  • Der Betrüger wurde im Ausland auf Geschäftsreise ausgeraubt und alles ist weg: Geld, Papiere usw.
  • Der Betrüger hat bei einem Einsatz einen Goldschatz gefunden, den er heimlich zur Geliebten nach Deutschland schicken will. Dies ist jedoch nur gegen immense Gebühren für Zoll, Schmiergelder, Verwaltungskosten etc. möglich.
  • Der Betrüger benötigt Geld für ein medizinisches Gutachten, um frühzeitig aus dem Kriegsdienst ausscheiden zu können. Meist geht es dabei um Leben und Tod.
  • Der Betrüger gibt sich als US-amerikanischer Schauspieler oder Sänger aus und bietet Mädchen über Instagram an, seinem Fanclub beizutreten. Das kostet dann aber eine Gebühr.

Hilfsbereitschaft, Mitleid und Empathie ausgenutzt
Unzählige Frauen sind den Betrügern bereits auf den Leim gegangen. Darunter auch Erika Linde. Ein Mann schrieb sie auf Facebook an. Er sei US-Amerikaner, Witwer und alleinerziehender Vater und im Moment in Kabul als Arzt stationiert. Erika Linde hat acht Monate lang schriftlich Kontakt mit dem Mann. Dann erzählt er ihr, er solle ins Kriegsgebiet versetzt werden. Er fürchte um sein Leben und die Versorgung seiner Tochter im Internat in England.

Es gebe nur einen Ausweg: ein medizinisches Gutachten, das ihn für arbeitsunfähig erklärt. Doch so ein Gutachten koste viel Geld und er komme gerade nicht an sein Vermögen heran. Erika Linde hat Mitleid – vor allem mit der vermeintlichen elfjährigen Tochter, die möglicherweise ihren Vater verliert. Also überweist sie ihm Geld, das sie sich von einer Freundin borgt. Doch als er immer mehr verlangt, wird sie stutzig.

Auf Rachefeldzug
Erika Linde fängt an zu recherchieren und stößt im Internet auf ein Forum:  „romancescambaiter.de“.  Dort werden Frauen über Love-Scamming aufgeklärt und moralisch unterstützt. Sie schildert ihren Fall und muss feststellen: Ihre Internetbekanntschaft ist im Forum längst als Betrüger bekannt. Für Erika Linde bricht eine Welt zusammen. Doch statt im Selbstmitleid zu versinken, wird sie aktiv. Sie möchte etwas gegen diese Betrüger unternehmen.

Zusammen mit den anderen Frauen des Forums geht Erika Linde auf Rachefeldzug. Die Frauen legen unter falschen Identitäten Profile auf sozialen Netzwerken und Dating-Plattformen an. Sobald sie einen Scammer an der Angel haben, lautet die Devise: Beschäftigungstherapie, also viel schreiben, damit der Scammer keine Gelegenheit hat, nebenher „echte“ Opfer abzuzocken.

XY-Szenenfoto

Ziel: In die Falle locken
An einem Punkt der Lügengeschichte kommt vom Scammer in aller Regel eine Geldforderung. Die „Scambaiterinnen“, versuchen, so viele Kontodaten der Betrüger wie möglich herauszufinden, um sie sperren zu lassen. Und zuletzt bringen sie die Betrüger schließlich dazu, eine persönliche Geldübergabe vorzuschlagen. Im Idealfall schnappt hier die Falle zu. Bei den Übergabe-Aktionen holen sich die Frauen Unterstützung bei der Polizei, sodass bei den Tätern oder deren Helfern die Handschellen klicken.


So schützen Sie sich vor Love-Scammern:

  1. Keine reine Internet-Liebe ist echt!
  2. Kein Geld bezahlen!
  3. Fremden nicht blind vertrauen!
  4.  Bleiben Sie skeptisch – auch bei den schlimmsten Geschichten, die ihrem Chatpartner angeblich widerfahren!
  5. Vertrauen sie sich jemandem an und sprechen Sie darüber!
  6. Anzeige erstatten!
    Sollten Sie bereits in die Falle getappt sein, ist Scham nicht angebracht. Erstatten sie Anzeige bei der örtlichen Polizei. Nur dann wird ermittelt und andere Frauen können eventuell vor dem gleichen Schicksal bewahrt werden.