Den Autoschiebern auf den Fersen

Polizei durchsucht Lagerhallen und Werkstätten in vier Bundesländern

Dannenwalde/Potsdam (dpa/bb). In einem Autowrack läuft noch das Radio. Andere zerlegte Wagen stehen in  der Lagerhalle. Einzelteile lehnen an den Wänden oder liegen auf dem Boden: Türen, Fenster, Sitze, Motorteile, dazwischen eine blaue Parkscheibe. – Mit ihrer Razzia haben Polizisten die Mitarbeiter der Lagerhalle in Dannenwalde (Oberhavel) rund 70 Kilometer nördlich von Berlin überrascht. Der Verdacht: Diebstahl und gewerbsmäßige Bandenhehlerei. Zur gleichen Zeit sind Beamte in 23 weiteren Orten Brandenburgs, Berlins, Mecklenburg-Vorpommerns und Nordrhein-Westfalens im Einsatz.

Bei den Durchsuchungen nehmen sie zwei Männer im Alter von 31 und 35 Jahren in Menz und Zehdenick (Oberhavel) fest. Für die Polizei steht fest: «Das ist einer der größten Funde im Land Brandenburg in jüngerer Vergangenheit.» Die gefundene Beute – meist Autos und Motorräder – habe einen Wert von rund einer halben Million Euro, sagt ein Sprecher.

Die Ermittler vermuten jedoch, dass noch mehr Täter an den Diebstählen und Hehlereien beteiligt sind. «Wir gehen davon aus, dass die Bande größer sein wird», sagt der Polizeisprecher. Derzeit liefen aber keine Fahndungen. «Die beiden Männer werden vernommen», sagt Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper in Neuruppin. Haftanträge seien gestellt worden. Eine Entscheidung werde heute erwartet.

Länderübergreifender Großeinsatz
Rund 200 Beamte waren in den vier Bundesländern im Einsatz und durchsuchten Garagen, Wohnungen und Hallen. Die meisten der 24 Objekte durchforsten die Beamten in Nordbrandenburg um Gransee und Zehdenick (Oberhavel). Je ein Einsatz wurde für Berlin, Münster (Nordrhein-Westfalen) und Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) angeordnet.

In Brandenburg sind das Landeskriminalamt und die Neuruppiner Staatsanwaltschaft federführend. Die Durchsuchungen seien so breit angelegt gewesen, weil es Anhaltspunkte auf Fahrzeuge gegeben habe, in denen Teile verbaut gewesen seien, sagte Lodenkämper. In den vergangenen Monaten sind in den Grenzbundesländern immer wieder Diebstähle von Autos und deren Transfer nach Osteuropa in die Schlagzeilen geraten. Damit habe der aktuelle Fund aber nichts zu tun, heißt es bei der Polizei.

Das Internet als Verkaufsplattform
Laut Polizeipräsidium in Potsdam gab es im vergangenen Jahr 3.355 Fälle von Autodiebstahl in Brandenburg, 2011 waren es 3.963. Wie die Ermittler auf die mutmaßliche Bande kamen, will die Polizei nicht sagen. Nur soviel: «Seit Sommer 2012 wird ermittelt.» Die Täter sollen die Autos auseinandergeschraubt und das Internet zum Verkauf genutzt haben, wie es hieß.

Die bald leere Lagerhalle in Dannenwalde liegt hinter Gewerbehäusern und einem Schrottplatz – und ist von der Straße aus kaum einsehbar. Nach dem Polizeieinsatz werden Spuren an den Autos, Motorrädern und den Einzelteilen gesichert. Die Ermittler beginnen damit, die Fahrzeuge für weitere Ermittlungen abzuschleppen.

14.08.2013 Ta