Den Politikern an die Karre gefahren

Kriminalstatistik: Dramatischer Anstieg von Kfz-Diebstählen

 Berlin (dv). Der Berliner Innensenator Erhart Körting war der letzte Länderbeauftragte, der seine Kriminalstatistik 2009 vorlegte. Am gestrigen Montag rückte er damit raus (wir berichteten) und handelte sich für das Fazit, Berlin sei angesichts des nur leichten Anstiegs der Kriminalität um 0,9 Prozent und einer Aufklärungsquote von fast 50 Prozent eine vergleichsweise sichere Metropole“, Schelte von der Deutschen Polizeigewerkschaft ein. Er möge doch, bitteschön, nicht verharmlosen und die Bedrohungsängste der Menschen ernst nehmen.

Dabei bezogen sich die Körting-Kritiker auch mit Nachdruck auf den Bereich Kfz-Diebstahl. Der sei ein großes Problem, in Berlin wie im Rest des Landes. Während nämlich die Summe aller erfassten Straftaten bundesweit um 1,2 Prozent auf 6,04 Millionen zurück gegangen ist, hatten die Autodiebe im vergangenen Jahr Hochkonjunktur.

Und das vor allem im Osten:

So stieg der Kfz-Diebstahl in Brandenburg um 30,9 Prozent an, betroffen waren vor allem die  grenznahen Städte Eisenhüttenstadt, Forst und Schwedt. In Sachsen lag die Quote mit 32 Prozent noch höher. Allein in Dresden, der ostdeutschen Hauptstadt der Autodiebe, wurden 893 Fahrzeuge gestohlen – 338 mehr als im vorigen Jahr. In Görlitz und Zittau gab es mit 366 Autos ebenfalls einen erheblichen Anstieg. Und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beklagte nach jahrzehntelangen Rückgängen erstmals wieder eine Zunahme des Auto-Klaus von 4,9 Prozent. Auch hier ging’s tief im Osten hoch her: Im grenznahen Raum zu Tschechien wurden deutlich mehr Fahrzeuge gestohlen – 285 gegenüber 154 im Vorjahr.

Zahlen, angesichts derer sich einige Politiker ehrlicherweise mal an die eigene Nase fassen müssten. Die nämlich – allen voran der ehemalige Innenminister Wolfgang Schäuble –  hatten getönt, dass die Öffnung der Grenzen nach dem Schengen-Abkommen wohl keine Auswirkung auf die Kriminialität haben würde.

Pustekuchen (jedenfalls, was den Kfz-Diebstahl betrifft)!

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, redet denn auch Tacheles. „Die Politik hat alles aus politischen Gründen schön geredet. Viele Behauptungen haben sich aber nach Auswertung der Kriminalstatistik als falsch erwiesen.“ Schuld sei neben dem Wegfall der Kontrollen der sukzessive Abzug von 2500 Bundespolizisten.

Und auch in Berlin wird ein „ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Fallzahlen“ und der Erweiterung des Schengen-Raumes gesehen. Gestohlen werden hier vor allem Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW, die unmittelbar nach der Tat in den osteuropäischen Raum verschoben werden. Fazit der Berliner Polizei: „Durch den Wegfall der Grenzkontrollen verringerten sich die Chancen der Täterfestnahme erheblich.“

20.04.2010 dv