Den Reichstag im Visier?

BKA-Chef sauer auf Artikel in zwei Montagsmagazinen

Berlin/Hamburg (dapd). BKA-Chef Ziercke reagierte auf einen detaillierten Bericht des «Spiegel», wonach islamistische Terroristen bereits in Berlin seien und den Reichstag im Visier hätten. Sie planen dort angeblich eine Geiselnahme und ein Blutbad. Ziercke nannte den Bericht «hochspekulativ» und grenzwertig.

Informationen von Aussteiger?
Innenminister Thomas De Maizière hatte ungewöhnlich eindringlich vor einer konkreten Terrorgefahr in Deutschland und einem möglichen Anschlag noch in diesem Monat gewarnt. Anlass waren laut «Spiegel» Informationen eines potenziellen islamistischen Aussteigers, der sich beim BKA gemeldet haben soll. Von ihm sollen die Informationen über das Terrorkommando aus sechs Personen stammen, das angeblich Anfang 2011 den Reichstag angreifen will.

Ein Sprecher von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) äußerte sich zu dem Bericht nicht konkret, sagte aber: «Wir wussten natürlich auch, dass der Reichstag ein mögliches Ziel sein kann.» Schutzmaßnahmen seien getroffen worden.

Laut «Spiegel» stützte sich de Maizière auch auf einen Warnhinweis der US-Bundespolizei FBI zur geplanten Einreise zweier mutmaßlicher Terroristen am 22. November. Eine schiitisch-indische, mit Al-Kaida verbündete Gruppe habe zwei Männer für einen Anschlag auf den Weg nach Deutschland geschickt.

Die Informationen decken sich offenbar zum Teil mit einem «Focus»-Bericht. Das Münchner Magazin meldete zudem, de Maizière habe den Länderinnenministern berichtet, mit Anschlägen sei am ehesten in «Berlin, Hamburg, München, im Rhein-Main-Gebiet und im Raum Köln/Bonn» zu rechnen. Mit einer Art Rasterfahndung versuchten die Sicherheitsbehörden, die Einreise eines mutmaßlichen Terror-Kommandos zu verhindern.

Nach einem Bericht des ARD-Magazins «Report Mainz» gibt es zudem einen weiteren Anschlagsplan islamistischer Terroristen für Deutschland. Aus dem pakistanischen Waziristan seien vor sechs bis acht Wochen zwei Personen eingereist, die einen Anschlag auf «eine Menschenmenge in einer großen Stadt» planten. Dabei handle es sich nicht um ein Selbstmordattentat, sondern um einen Angriff mit einer zeitgesteuerten Spreng- und Brandvorrichtung. Die beiden Attentäter warteten noch auf die Zünder. Sie würden nicht telefonieren, nicht in die Moschee gehen und auf westliches Aussehen achten, zitierte das Magazin aus einem internen BKA-Papier.

Festnahme in Namibia
In Namibia wurde nach dem Fehlalarm wegen einer Bombenattrappe der Leiter der Flughafensicherheitspolizei von Windhuk festgenommen, wie das Bundesinnenministerium unter Berufung auf namibische Behörden mitteilte. Der Mann soll gestanden haben, den sogenannten Realtest-Koffer am Mittwoch auf das Gepäckförderband gelegt zu haben.

21.11.2010 dv