Der Griff nach fremden Früchten

Obstdiebstähle sorgen für Probleme bei Landwirten

Ob Äpfel, Birnen oder Zwetschgen – überall reifen leckere Früchte. Der Griff über den fremden Zaun oder der Beutezug durch die Obstplantage ist verlockend – aber keine kriminalistische Bagatelle.

Halle (dpa) – Einige naschen nur eine Erdbeere, andere graben gleich ganze Bäume aus: Auf vielen Obstplantagen im Land bedienen sich fremde Menschen ohne Erlaubnis ganz selbstverständlich an reifen Früchten. Sie stecken Äpfel, Pflaumen und andere Früchte in ihren Mund oder ihre Taschen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Für die Obstbauern ist der Verlust zwar oft verkraftbar, aber ärgerlich. Denn meist bleibt es nicht bei einem einzelnen gestohlenen Apfel.

«Mundraub  ist keine Bagatelle», sagte der Geschäftsführer des Landesverbands «Sächsisches Obst», Uwe Jentzsch. Ob man einen Apfel im Supermarkt oder einen vom Baum einer Obstplantage stehle: «Diebstahl ist Diebstahl», so der Fachmann. Das Phänomen spiele glücklicherweise bei den Obstbauern aber nur eine untergeordnete Rolle.

Ganze Bäume werden ausgegraben 
«Mundraub kommt bei uns natürlich vor», sagt ein Mitarbeiter des Obsthofs Martin in Zeitz. Meistens schlage der Verlust von einigen geklauten Früchten aber nicht großartig zu Buche. Schlimmer sei vielmehr, dass es meist nicht bei dem gestohlenen Obst bleibe.

Beim Obsthof Zwicker in Jessen-Schweinitz im Norden des Landes etwa sind auch schon junge Bäume ausgegraben und mitgenommen worden, sagt eine Mitarbeiterin. Andere Obstbauern wie der Obsthof Alexander Müller in Querfurt mussten nach eigenen Angaben zerstörte Zäune nach dreisten Einbrüchen wieder reparieren. Denn um zu den reifen Früchten zu gelangen, trampeln die Diebe die Zäune der Plantagen nieder oder schneiden sie sogar durch. Oft gehen auch Äste kaputt, heißt es.

Obstwiesen werden eingezäunt 
Nicht nur auf den Plantagen, auch in den Werksverkäufen kommt es hin und wieder zu Diebstählen. «Manche Kunden greifen im Verkauf einfach zu und kosten unsere Äpfel», sagt eine Mitarbeiterin eines Obstbaubetriebs in Eisleben. Das sei jedoch die Ausnahme. Die meisten fragten vorab, ob sie von den Sorten probieren könnten. «Wir sind die Letzten, die dann ‚Nein‘ sagen», so die Mitarbeiterin.

Um sich vor Mundräubern zu schützen, setzen viele Obstbauern auf Zäune. So ist etwa die 30 Hektar große Plantage des Obsthofes Zwicker komplett umzäunt. Auch der Obsthof am Süßen See im Seegebiet Mansfelder Land oder der Obsthof Martin in Zeitz mit seinen 24 Hektar Fläche setzen nach eigenen Angaben auf hohe Maschen.

Statistiken darüber, wie viele Früchte jährlich in Sachsen-Anhalt stibitzt werden, gibt es nach Angaben des Landeskriminalamts in Magdeburg nicht. Um ganz legal die schmackhaften Früchte zu pflücken, listen unter anderem Internetplattformen wie  mundraub.org  die Standorte von zugänglichen Obstbäumen, Streuobstwiesen oder Baumalleen auf.

Symbolfoto:  Jan Woitas / dpa

08.09.19 wel