Detektivarbeit und Schrubben

Die Bahn im Kampf gegen Graffiti-Sprayer

Sprayer richten Jahr für Jahr Millionenschäden bei der Deutschen Bahn an. Das Unternehmen setzt sich auf mehreren Ebenen zur Wehr.

Bahnmitarbeiter Ofosij Kwasi (li.) und sein Kollege Kaya Gaffar beseitigen in der S-Bahn-Werkstatt der Deutschen Bahn am Frankfurter Hauptbahnhof ein Graffiti auf einer S-Bahn.

VON ISABELL SCHEUPLEIN  (dpa)
Der Boden der S-Bahn-Werkstatt in Frankfurt/Main ist mit Schutzmatten ausgelegt. Langsam verbreitet sich ein beißender Gestank. Mit Schutzanzügen und Atemschutz rücken zwei Bahnmitarbeiter einem großen, bunten Schriftzug zu Leibe. Zwei Chemikalienschichten braucht es, bis sie das überwiegend in grau und rost-braun gehaltene Graffiti nach und nach mit Schrubbern, Schwämmen und Bürsten wegputzen können. 12,6 Millionen Euro beträgt der Schaden, den die Täter vergangenes Jahr bei der Deutschen Bahn insgesamt angerichtet haben.

Die Zahl der illegalen Graffitis an Zügen, Bahnhöfen und Anlagen der DB ist zuletzt angestiegen. 26.178 Fälle registrierte das Unternehmen 2020, rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. 2018 waren es 20.100 Fälle. Der finanzielle Schaden ging im vergangenen Jahr um rund drei Prozent zurück. Die Bahn führt das unter anderem auf besseren Schutz für Gebäude und Züge wie Lacke und Folien zurück. Auch der geplante Einsatz von Sprayern soll helfen, die Flächen an Bahnhöfen im Auftrag der Bahn bunt zu gestalten.

800 Täter geschnappt
Die Graffiti-Szene ist vor allem in den Ballungsräumen aktiv. Zu ihrer Verfolgung setzt die Bahn in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Nordrein-Westfalen und der Region Halle/Leipzig spezielle Sicherheitsteams ein. Vergangenes Jahr wurden fast 800 Täter vor Ort gestellt und der Bundespolizei übergeben.

Auch in diesem Jahr gingen den Teams und der Bundespolizei mutmaßliche Sprayer ins Netz, im Januar etwa drei auf einmal in Eberswalde (Brandenburg), im Februar am Bahnhof Borghorst in Nordrein-Westfalen und in Hannover oder im März in der Abstell-Anlage des Bahnhofs Kirchheim (Teck) in Baden-Württemberg.

Katz-und-Maus-Spiel 
In und um Frankfurt ist die «Mobile Graffiti Gruppe» (MGG) der «DB-Sicherheit» zuständig. Die MGG ermittelt die örtlichen Schwerpunkte und Handlungsmuster der Täter, nutzt dazu verdeckte Überwachungen und die sozialen Medien. «Wir versuchen, die Täter auf frischer Tat zu stellen», sagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Motive und Täter seien sehr unterschiedlich, meistens handele es sich um ganze Gruppen mit Spähposten. Die Spanne reicht vom 14-Jährigen bis zum Bankkaufmann jenseits der 40.

Mit Extra-Schichten auch am Wochenende soll in der Frankfurter Werkstatt versucht werden, die Zahl der mit Graffiti besprühten Wagen möglichst auf Null zu bekommen. «Doch es ist ein Katz-und-Maus-Spiel», sagt Alexander Knöss vom Unternehmensbereich «DB Services». Den Tätern gehe es um Selbstdarstellung. S-Bahnen werden täglich von sehr vielen Menschen gesehen.

Fahrgast ist der Leidtragende 
Auch aus Sicht der Fahrgäste sind die Folgen doppelt ärgerlich. Sie sitzen in einer Bahn, aus deren Fenster sie nicht blicken können und bekommen die Folgen zu spüren, wenn die Züge in die Werkstatt müssen und im laufenden Verkehr fehlen. Ziel der Bahn ist, die Farbe so schnell wie möglich zu entfernen.

Bevor die Bahnmitarbeiter die Graffitis in der Werkstatt wegschrubben, wird jeder der bunten Schriftzüge fotografiert und der Schaden dokumentiert. Bestenfalls, um Schadenersatz geltend zu machen. Die Fotos sollen auch dabei helfen, den Tätern auf die Spur zu kommen – wegen Sachbeschädigung.

Foto:  Arne Dedert / dpa    (Bildbearbeitung: e110)

03.04.21 wel