Die eigenen Kinder missbraucht

Internationaler Pädophilenring zerschlagen

 Gotha (ddp-lth). Nach der Zerschlagung eines internationalen
Pädophilenrings ist gegen einen Thüringer Anklage wegen schweren
sexuellen Missbrauchs erhoben worden. Die Ermittlungen der
Kriminalpolizei Gotha gegen den 30-Jährigen hatten zu insgesamt acht
Pädophilen geführt, von denen drei in der Schweiz leben. Die Männer
sollen kinderpornografische Dateien im Internet ausgetauscht und bei
gegenseitigen Besuchen insgesamt drei Jungen im Alter zwischen sechs
und zehn Jahren sexuell missbraucht haben.

  Dem einschlägig vorbestraften 30-Jährigen aus dem Landkreis Gotha
wird vorgeworfen, zwei sieben- und zehnjährige Jungen in 13 Fällen
missbraucht zu haben, wie der Sprecher der Erfurter
Staatsanwaltschaft, Hannes Grünseisen, am Mittwoch in Gotha
erklärte. Zudem soll er über 1900 Dateien mit kinderpornografischen
Inhalten besessen haben, die bei Durchsuchungen im April 2008
sichergestellt worden waren. Durch ein umfassendes Geständnis habe
der Mann die Ermittler auf die Spur der anderen Mitglieder des
Pädophilenrings geführt.

Eine Gefahr für andere
  Der Mann war bereits 2001 und 2005 wegen Verbreitung
kinderpornografischer Schriften und sexuellen Missbrauchs zu Geld-
und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Diesmal muss er mit einer
Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren und anschließender
Sicherheitsverwahrung rechnen. Nach derzeitigem Stand sei davon
auszugehen, dass von dem Tatverdächtigen eine Gefährdung der
Allgemeinheit ausgehe, sagte Grünseisen. Zurzeit werde ein
entsprechendes Gutachten erstellt. Der Prozess vor dem Landgericht
Erfurt soll im Oktober beginnen.

  Bei dem zur Tatzeit zehnjährigen Jungen handelt es sich den
Angaben zufolge um den Sohn der Lebensgefährtin des Angeklagten.
Gegen die Mutter des Jungen wird nicht ermittelt. Sie soll davon
nichts gewusst haben. Unter den Missbrauchsopfern ist auch der damals
siebenjährige Sohn eines in der Schweiz lebenden Deutschen, der von
seinem eigenen Vater missbraucht worden sein soll.

Kripo sieht bisher unbekannte Dimension
  Auch der Angeklagte aus dem Landkreis Gotha soll sich mit dem
alleinerziehenden 29-Jährigen getroffen haben. Dabei seien beide
Jungen von den Männern gemeinschaftlich sexuell missbraucht worden,
sagte Grünseisen. Die Fotos seien dann im Internet verbreitet worden.
Das jüngste Opfer des Pädophilenrings war den Angaben zufolge ein
sechsjähriger Junge aus der Schweiz.

  Die Verbrechen hätten eine Dimension, die er so nicht kannte»,
sagte der Leiter des Sachbereichs Sexualdelikte der Kripo Gotha, Jens
Büchner. Es sei erstaunlich, wie schnell sich aus dem Austausch über
einen Chatroom im Internet persönliche Kontakte ergeben hätten.

Länderübergreifende Ermittlungen vorausgegangen
  Außer dem 30-jährigen Thüringer und dem in der Schweiz lebenden
Deutschen sitzt derzeit ein weiterer Beschuldigter aus der Schweiz in
Haft. Gegen die anderen Männer werde lediglich wegen des Besitzes und
der Verbreitung kinderpornografischer Schriften ermittelt, sagte
Büchner. Auslöser der Ermittlungen war nach Angaben der
Kriminalpolizei eine Operation des Bundeskriminalamts (BKA) aus dem
Jahr 2007. Diese beruhte auf Erkenntnissen der britischen Polizei,
die eine Webseite mit kinderpornografischen Inhalten ausgehoben
hatte.

30.07.2009 Ta