Die Kleinen brauchen mehr Schutz

Kinderschutzambulanz berät seit Pandemie-Beginn noch öfter

Blaue Flecken sind bei Kindern keine Seltenheit. Meist stammen sie von Unachtsamkeiten. Doch manchmal handelt es sich um Misshandlungen. Neue Zahlen zeigen nun, wie sich Kindesmissbrauchsfälle durch Corona entwickelt haben.

Handpuppe auf einem Behandlungsstuhl im Untersuchungsraum der Kinderschutzambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover.

Hannover (dpa) – Sie wird immer dann eingeschaltet, wenn Kinderärzte mögliche Spuren von Gewalt bemerken: die  Forensische Kinderschutzambulanz  der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Seit Beginn der Corona-Pandemie werden die Experten dort öfter benötigt. «Wir haben seit Pandemie-Beginn eine erhöhte Anfrage nach diagnostischer Unterstützung erhalten», sagt eine Sprecherin der Ambulanz. Es sei deshalb von einer Zunahme der Fälle von Gewalt gegen Kinder auszugehen.

Die Einrichtung ist an der MHH-Rechtsmedizin angesiedelt. Sie berät Kinderärzte rechtsmedizinisch, wenn diese den Verdacht haben, dass einer ihrer Patientinnen und Patienten misshandelt werden könnte. Dazu muss keine Anzeige gestellt werden.

Über 500 Beratungen 
Seit Pandemie-Beginn hat die Kinderschutzambulanz Ärztinnen und Ärzte in über 500 Fällen beraten. 142 Kinder wurden den Angaben zufolge in der Ambulanz untersucht. In weiteren Fällen wurden Befunde von Kinderärzten online oder telefonisch besprochen. Während der Pandemie hätten Online- und Telefonberatungen zugenommen, heißt es.

Die Einrichtung bietet auch Fortbildungen an und berät Jugendhilfen sowie Ermittlungsbehörden, wenn es zu Strafanzeigen kommt. Die Ambulanz hat seit ihrem Start Anfang 2011 in etwa 2.000 Fällen Ärzte beraten.

Jedes vierte Kind misshandelt 
In etwa einem Viertel der Beratungsfälle könne eine körperliche Misshandlung oder sexueller Missbrauch festgestellt werden, teilt die Kinderschutzambulanz mit. In über einem Viertel der Fälle können Verdachtsmomente entkräftet werden. Nicht immer kann eine sichere Aussage getroffen werden. Dann werden betroffene Patienten an weitere Unterstützungsangebote verwiesen.

Foto:  Mia Bucher / dpa

18.05.22 wel