Die meisten reißen aus: 1.600 Kinder unter 14 gelten zurzeit als vermisst

Wiesbaden (dpa/wel) – In Deutschland gelten derzeit mehr als 1.600 Kinder unter 14 Jahren als vermisst. Das teilte das  Bundeskriminalamt (BKA)  gestern in Wiesbaden auf Anfrage mit. In den noch nicht geklärten Fällen seien neben Dauerausreißern auch Kindesentziehungen und unbegleitete Flüchtlingskinder erfasst, die aus ihren Unterkünften verschwunden seien. Insgesamt sei der Anteil der Kinderschicksale, die auch nach längerer Zeit nicht geklärt werden könnten, sehr gering.

Mit einem Tag der vermissten Kinder soll heute über Möglichkeiten zur Vorsorge informiert werden. In Deutschland wird der Tag seit 2003 unter anderem von der  «Initiative Vermisste Kinder»  aufgegriffen. Erst vor kurzem hatte der Fall einer Elfjährigen aus Nordbayern für Aufsehen gesorgt, die vermisst gemeldet worden war und einen Tag später in Berlin von der Polizei aufgegriffen wurde.

97 Prozent Aufklärungsquote  
Nach BKA-Angaben wurden in den vergangenen Jahren durchschnittlich etwa 15.700 Kinder und Jugendliche im Jahresverlauf als vermisst gemeldet. Die Aufklärungsquote liege bei etwa 97 Prozent. Wenn Kinder und Jugendliche verschwinden, gebe es dafür unterschiedliche Gründe – etwa Probleme in der Schule oder mit den Eltern sowie Liebeskummer. Ein Grund auch: Eltern streiten sich um das Sorgerecht. Der älteste noch in der BKA-Datei enthaltene Vermisstenfall eines Kindes stammt aus dem Jahr 1964.

Dem BKA zufolge gehen insgesamt – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – täglich rund 200 bis 300 neue Meldungen über vermisste Personen bei der Polizei ein, etwa dieselbe Zahl an Fahndungen könne zugleich wieder gelöscht werden. Erfahrungsgemäß erledige sich die Hälfte der Vermisstenmeldungen innerhalb der ersten Woche. Nur in drei Prozent der Fälle werden Menschen länger als ein Jahr vermisst.

Mehrere solcher Fälle greift «Aktenzeichen XY… ungelöst» am 29. Juni in einer Spezialsendung im ZDF auf.

25.05.22 wel