Die Spuren des Terrors

In den vergangenen zehn Jahren war Deutschland keine "glückliche Insel"

Berlin (dapd). Terror in Deutschland? Der Gedanke ist ganz so abwegig nicht. In den letzten zehn Jahren hat es immer wieder Alarm gegeben.

12. September 2001: Nur einen Tag nach den verheerenden Anschlägen in den USA durchsuchen die Sicherheitsbehörden eine Wohnung in Hamburg-Harburg, in der früher unter anderen der Todespilot Mohammed Atta und der mutmaßliche Koordinator der Terrorpläne vom 11. September, Ramzi Binalshibh, gewohnt haben. Die in Zusammenarbeit mit dem FBI geführten Ermittlungen gehen dem Verdacht nach, dass Teile der Anschlagspläne von den islamistischen Terroristen in Deutschland geschmiedet worden sein könnten. Später wird der Marokkaner Mounir el Motassadeq unter dem Vorwurf festgenommen, bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen des 11. September eingebunden gewesen zu sein. Motassadeq wird vom Oberlandesgericht Hamburg zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt.

Passfälscher, Bombenbastler, Judenhasser
26. November 2002: Im bundesweit ersten Terrorprozess gegen ein Mitglied der islamistischen Organisation Al Tawhid verurteilt das Düsseldorfer Oberlandesgericht den Angeklagten Shadi Mohd Mustafa Abdalla zu vier Jahren Haft Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und wegen Passfälschung.

10. März 2003: Wegen eines Ende 2000 geplanten Bombenanschlags auf den Straßburger Weihnachtsmarkt verurteilt das Oberlandesgericht Frankfurt am Main vier angeklagte Algerier zu zehn bis zwölf Jahren Haft. Ein weiterer Angeklagter, dessen Verfahren abgetrennt wurde, wird später freigesprochen.

10. Februar 2004: Im streng gesicherten neuen Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf  beginnt der zweite Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der Al Tawhid. Ihnen wird zur Last gelegt, Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Zudem werden ihnen Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung, bandenmäßige Urkundendelikte sowie Anstiftung zum Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

25. März 2004: Die Polizei durchsucht in Darmstadt eine Wohnung, in der sich vorübergehend einer der in Spanien nach den Anschlägen von Madrid am 11. März festgenommenen Marokkaner aufgehalten hatte.

7. Juli 2005: Nach den Anschlägen auf U-Bahnen und Busse in London erhöhen auch Verkehrsbetriebe und Behörden in Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen.

10. Juli 2005: Ein Jahr vor der Fußball-WM in Deutschland kündigt der Bundesnachrichtendienst (BND) eine intensive Überwachung der Islamisten-Szene an. Konkrete Hinweise auf Attentate in Deutschland gibt es aber nicht.

Strafen, die nicht abschrecken
31. Juli 2006: Zwei Männer deponieren auf dem Kölner Hauptbahnhof zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz, die aber nicht explodieren. Rund zweieinhalb Jahre später verurteilt das Oberlandesgericht Düsseldorf den 24-jährigen Libanesen Youssef El Hajdib zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Der Mittäter Jihad Hamad war zuvor bereits im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

4. September 2007: In einer spektakulären Polizei-Aktion werden zunächst drei Terroristen der sogenannten Sauerland-Gruppe festgenommen. Zwei Monate später geht den Fahndern in der Türkei der vierte Verdächtige ins Netz. Die selbst gebastelten Sprengsätze der Männer sollten vor US-Einrichtungen in Deutschland im Namen des Islams Hunderte von Menschen in den Tod reißen. Die Autobomben, die die Islamisten zünden wollten, hätten nach den Berechnungen der Experten einer Sprengkraft von rund 410 Kilogramm TNT entsprochen. Im März 2010 werden die vier Terroristen der Gruppe zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt.

Anschlag auf Polizisten
23. September 2008: Mit einem Mordanschlag auf zwei Kölner Polizisten wollen, wie sich später herausstellt, drei 15- bis 17-jährige Jungen aus Köln einen «Heiligen Krieg» gegen Amerikaner beginnen. Die türkischstämmigen Jugendlichen planten, sich mit der Tat Polizeiwaffen zu besorgen und dann amerikanische Einrichtungen anzugreifen. Die Beamten behielten aber die Nerven, schlugen die Angreifer mit Warnschüssen in die Flucht und blieben unverletzt.

2. Oktober 2009: Wegen erhöhter Terrorgefahr verschärft die Berliner Polizei ihre Sicherheitsmaßnahmen für die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit rund um das Brandenburger Tor. Auch das Oktoberfest in München steht unter scharfem Polizeischutz.

Ende Oktober 2010: Paketbomben aus dem Jemen sorgen für Aufregung. Sie waren für das Ziel Chicago bestimmt. Eine der Paketbomben wurde per Luftpost über Deutschland transportiert. Sie konnte nach einem Hinweis der deutschen Sicherheitsbehörden in Großbritannien abgefangen werden.

Terror kommt im Kanzleramt an
2. November 2010: In der Poststelle des Kanzleramtes wird eine an Kanzlerin Angela Merkel adressierte Paketbombe entdeckt. Wahrscheinlicher Absender war eine linksextremistische Gruppe aus Griechenland, die für eine Anschlagswelle mit Paketbomben verantwortlich gemacht wird. Sprengstoffexperten machen die Postsendung unschädlich. Verletzt wird niemand. Die Kanzlerin selbst ist während des Alarms in Belgien.

17. November 2010: Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt eine Terrorwarnung heraus und kündigte eine «sichtbare Polizeipräsenz» an. Am 1. Februar 2011 ordnet er an, dass die Präsenz zurückfahren wird. Diese Maßnahme sei zu verantworten, «wenngleich kein Anlass zur Entwarnung besteht».

Blutbad am Airport
2. März 2011: Ein 21-jähriger Kosovare mit Wohnsitz in Frankfurt tötet am Flughafen der Stadt zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere. Zum Prozessbeginn ist der Angeklagte geständig, er sei von islamistischen Videos im Internet beeinflusst worden. Das Urteil wird im Januar erwartet.

Angst vor Al Kaida
29. April 2011: Die Bundesanwaltschaft lässt drei mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation Al-Kaida festnehmen. Die drei Männer seien beim Bau eines Sprengsatzes «noch in der Experimentierphase» gewesen, heißt es einen Tag später. Sie hätten aber den Auftrag gehabt, einen Anschlag in Deutschland zu begehen.

Mai 2011: Nach dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden wächst auch in Deutschland die Furcht vor Racheakten der Terrororganisation. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bezeichnet die Gefährdungslage als unverändert hoch, sieht aber keinen Anlass, die Sicherheitsbestimmungen etwa an deutschen Flughäfen zu erhöhen.

Fataler Flugsimulator
18. Juni 2011: Angebliche Anschlagspläne gegen den Berliner Reichstag sorgen für Aufregung. Ein in Österreich festgenommener Islamist habe eine Flugzeug-Attacke gegen das deutsche Parlament geplant und schon monatelang am Flugsimulator dafür geübt, berichtet die österreichische «Kronen-Zeitung». Die Bundesanwaltschaft hat allerdings keine Erkenntnisse über konkrete Anschlagspläne.

17. August 2011: Das Bundeskabinett beschließt die Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze um vier Jahre. Die Sicherheitsbehörden haben damit erweiterte Befugnisse, auf Daten zuzugreifen – etwa Flugdaten oder Kontobewegungen von Terrorverdächtigen.

Foto: S. Thomas  / pixelio.de

11.09.2011 dv