«Enkeltrick 2.0» per WhatsApp

Telefonbetrüger nehmen jetzt jüngere Leute ins Visier

Schockanrufe per Telefon gibt es immer noch. Aber Trickbetrüger senden mittlerweile auch vermehrt Textnachrichten. Im vergangenen Jahr wurden allein in Niedersachsen schon Tausende Fälle der Polizei bekannt. Die Opfer sind nicht mehr nur ältere Leute. 

Hannover (dpa) – Mit Trickbetrug per WhatsApp oder SMS haben Kriminelle allein in Niedersachsen im vergangenen Jahr bereits mehrere Millionen Euro ergaunert. Nach einem Bericht des NDR sind es mindestens vier Millionen. Ein Sprecher des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA) sagte der dpa in Hannover, die Schadenssumme liege im mittleren siebenstelligen Bereich. Die Zahlen stammten aus der Eingangsstatistik und seien nur als Richtwert zu betrachten.

Beim Trickbetrug über Messenger-Dienste geben sich die Täter meist als Tochter oder Sohn der angeschriebenen Person aus. Um die unbekannte Rufnummer zu rechtfertigen, werden Geschichten erfunden: etwa dass das bisherige Handy kaputt oder verloren gegangen sei. Oft bitten die Betrüger dann per WhatsApp um Hilfe bei dringend notwendigen Geldüberweisungen und nennen Kontonummern.

Beweise sichern: Screenshot vom Chatverlauf
«Wichtig ist, nicht auf diese Nachrichten zu reagieren», warnt das LKA im Internet. Die Person, die vorgetäuscht werde, also etwa Sohn oder Tochter, sollten auf anderem Wege kontaktiert werden. Auf keinen Fall dürfe man Überweisungen tätigen. Wer auf den Betrug hereingefallen sei, sollte den Chatverlauf per Screenshot sichern und den Fall bei der Polizei anzeigen.

Nach LKA-Angaben wurde die Betrugsmasche bereits Mitte 2021 bekannt. Die Fallzahlen hätten sich dann bis zum Jahresende kontinuierlich gesteigert. 2022 habe es monatliche Schwankungen gegeben. «Es scheint allerdings eine aus Sicht der Täter lukrative Masche zu sein», sagte der LKA-Sprecher. Polizeilich gemeldet wurden von Anfang Januar bis Ende Oktober 2022 etwa 8.000 Fälle, wobei es in rund 6.000 Fällen beim Betrugsversuch blieb.

«Enkeltrick 2.0»  
Die Polizeidirektion Göttingen warnte zum Jahresende aus aktuellem Anlass vor diesem «Enkeltrick 2.0». Die Ermittler der Polizei in Dransfeld und Hann. Münden hätten aktuell mehrere Fälle von Betrugsversuchen per SMS auf dem Tisch. Daher sei besondere Vorsicht geboten. Die erste Nachricht sei eigentlich immer die gleiche, heißt es von der Polizei: «Hallo Mama, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Handynummer. Die kannst Du Dir einspeichern! Schickst Du mir eine Nachricht auf WhatsApp? Danke!»

Symbolfoto:  Karl-Josef Hildenbrand / dpa    (Bildbearbeitung: e110)

06.01.23 wel