Nicht alles Gold, was glänzt

Abzocke mit falschem Edelmetall

(XY-Spezial vom 27. März 2019) 
Die Täter kommen aus angesehenen Berufen, treten bescheiden und bodenständig auf. Sie lassen keine Fragen offen und ersticken mit dieser Transparenz jedes mögliche Misstrauen im Keim. Dieses wäre jedoch mehr als angebracht.

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Wer Geld zur Verfügung hat, sorgt meist dafür, dass es sich durch geschickte Anlagen oder Investitionen vermehrt. Das Sparbuch ist passé, denn die Zinsen sind seit langem schon im Keller. Wie kann der vernünftige Sparer in der heutigen Zeit sein Geld also vernünftig und vor allem sicher anlegen? Gold scheint da durchaus eine attraktive Alternative zu sein. Denn Gold ist relativ wertbeständig. Und man kann es anfassen, wie die Wände in der eigenen Wohnung.

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Verlockendes Angebot
Diese Situation nutzen Betrüger für sich aus, indem sie Anleger mit hohen Gewinnversprechen zu Investitionen verleiten. Im gezeigten Fall gelingt es den Tätern, etwa 6.000 Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Schadenssumme: über 55 Millionen Euro.
Das Aushängeschild der Betrüger sind sie selbst: Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer. Ihre Firma residiert hinter eindrucksvollen Gemäuern.

In Zeiten der Null-Zins-Politik ist ihr Angebot verlockend: Der Kunde investiert Geld, mit dem die Betrüger Gold kaufen, das sie in einem streng bewachten Tresor lagern. Durch den Handel mit dem Gold erzielen sie Gewinne, von denen sie nach der vereinbarten Laufzeit Zinsen von bis zu zehn Prozent auszahlen. Das garantieren sie den Kunden auf Hochglanz-Urkunden.

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Kein Goldhandel, keine Ausschüttung
Die Wahrheit ist allerdings eine ganz andere: Die Bande akquiriert Anlageberater, die sie in firmeneigenen Räumen schult. Sie sollen gegen Provision als Vertreter Goldanlagen verkaufen. Zur Schulung gehört auch die Besichtigung des Tresorraums. Dort stapeln sich mehrere Tonnen Goldbarren. Dadurch sollen bei den zukünftigen Anlageberatern mögliche Zweifel an der Seriosität des Unternehmens und ihrem Angebot verfliegen. Die Anlageberater sollen aus voller Überzeugung werben.

Doch was weder die Anleger noch die Berater ahnen: Mit dem Gold wird gar kein Handel betrieben. Denn bis auf einen winzigen Anteil bestehen die Barren aus billigen, mit einer hauchdünnen Goldschicht überzogenen Betonrohlingen – geliefert im großen Stil von einer chinesischen Firma. Das von den Anlegern investierte Geld wandert direkt in die Taschen der Betrüger.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Hände weg von Geldanlagen und Jobs, die auf utopischen Versprechungen basieren!
  • Gleiches gilt für Vertreterjobs zu Themen, von denen Sie kaum Ahnung haben (z.B. Versicherungen, Geldanlagen etc.).
  • Informieren Sie sich im Internet über den Anbieter und Erfahrungen Anderer!
  • Beim geringsten Zweifel Rat suchen – bei Verbraucherberatung oder Polizei!