Fall «Maddie» im Mittelpunkt

Ermittlungen gegen 43-jährigen Braunschweiger

Mit einem Paukenschlag begann die jüngste Folge von «Aktenzeichen XY… ungelöst»: Im Fall der vor 13 Jahren verschwundenen und vermutlich ermordeten Madeleine McCann gibt es einen Tatverdächtigen. Der Ermittlungserfolg geht auf einen Zuschauer-Hinweis nach einer XY-Sendung im Oktober 2013 zurück.

Überraschung in der 555. XY-Sendung: Christian Hoppe vom Bundeskriminalamt (li.) gibt den Fahndungserfolg im Fall Madeleine McCann bekannt und stellt zusammen mit Rudi Cerne neue Fragen.

In der Sendung damals war der Fall unter Mitwirkung von Scotland Yard und der Eltern des in Portugal verschwundenen dreijährigen Mädchens dargestellt worden. Das Kind war am 3. Mai 2007 aus einer Apartment-Anlage im portugiesischen Praia da Luz gekidnappt worden, als die Eltern in einem nahe gelegenen Restaurant zum Essen waren. Das ungewisse Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen sogar die Eltern selbst unter Verdacht.

Sexualtäter aus Deutschland unter Verdacht 
Der Tatverdächtige: ein 43 Jahre alter Mann aus Braunschweig, der zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt hat. Er ist mehrfach vorbestraft – unter anderem wegen Sexualstraftaten an Kindern. Derzeit verbüßt er eine Haftstrafe in Kiel. Laut einem  Zeitungsbericht  hat ihn das Landgericht Braunschweig außerdem im Dezember unter anderem wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen Amerikanerin an der Algarve zu sieben Jahre Haft verurteilt. Im Fall Maddie sprechen gegen den Verdächtigen zahlreiche Indizien. So war sein Handy zur fraglichen Zeit in der Nähe des Apartments der Familie McCann eingebucht.

Handfeste Beweise gibt es aber noch nicht – so der zuständige Ermittler, Leitender Kriminaldirektor Christian Hoppe, im XY-Studio. Deshalb hatte er eine Menge Fragen vor allem an XY-Zuschauer, die 2007 an der Algarve ihren Urlaub verbracht haben oder sogar seit dieser Zeit dort wohnen.

Erneut zeigte sich das XY-Publikum in diesem Fall sehr auskunftsfreudig. Vorsichtshalber hatte das BKA in Wiesbaden 30 Beamte an die Telefone gesetzt. Sie waren während und nach der Sendung mit der Aufnahme von Hinweisen vollauf beschäftigt. So wie auch ihre Kollegen des Bayerischen Landeskriminalamts an den Telefonen im XY-Studio. So kamen viele Anrufe zum Tatverdächtigen. Weitere Hinweise beziehen sich auf die Fahrzeuge und die Häuser, die der Mann an der Algarve benutzt haben soll.
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Phantombilder und ein mysteriöser Zettel 
Doch auch in den weiteren Fälle gaben die XY-Zuschauer vielversprechende Hinweise. Im Juli 2015 wird der in Graz lebende Helmut Gostentschnigg erstochen. Chefinspektor Kurt Linzer vom österreichischen BKA interessiert sich besonders für einen auffälligen Mann: Der Unbekannte soll sich wenige Tage vor der Tat in der Nähe von Helmut Gostentschniggs Haus aufgehalten haben. Er wirkte, als würde er die Umgebung ausspähen. Tatsächlich gingen noch während der Sendung erste Hinweise zu seinem Phantombild ein.
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Auch im Fall des Brandanschlags auf den Hamburger Polizeidirektor Enno Treumann gab es zahlreiche Anrufe und Hinweis-Mails. Die meisten beziehen sich auf einen Zettel mit personenbezogenen Daten zum Opfer. Die Ermittler hatten ihn bei einer Durchsuchung sichegestellt. Viele Zuschauer haben auf Unternehmen und Datenbanken hingewiesen, die Zugriff auf solche Daten haben.
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Interessante Angaben zu Überfällen 
Am Nikolaustag 2019 ist ein Unternehmer in Maintal bei Hanau Opfer eines Raubüberfalls geworden. Oberkommissarin Judith Johne und Oberstaatsanwalt Dominik Mies zeigten ebenfalls ein Phantombild des Täters. Dazu gingen bis Ende der Sendung zehn Anrufe ein. Alle werden noch überprüft.
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Zu guter Letzt stellt der aus Köln zugeschaltete Hauptkommissar Rainer Simpich Fragen zu einem Mann, der «Pjero» genannt wird. Er soll an einem Überfall auf einen Juwelier in Köln beteiligt gewesen sein. Außderdem soll er der legendären «Pink-Panther»-Bande angehören, die schwere Raubüberfälle begangen hat. Auch hier konnten die XY-Zuschauer helfen: So gibt es einen Hinweis darauf, dass «Pjero» aktuell einer Gruppierung angehören könnte, die dem Anrufer bekannt ist.
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Foto: Securitel / ZDF

03.06.20  nat / wel