Falsche Polizisten für 1.128 Jahre weggesperrt

Schamlose Telefonbetrüger in der Türkei verurteilt – Opferentschädigung?

Sie betrieben ein Call-Center in der Türkei und hatten mehrere Helfer in Deutschland: Eine Betrüger-Bande erbeutete als «falsche Polizeibeamte» fast eine Million Euro und sitzt nun in Haft. Die meist älteren Opfer können auf Entschädigung hoffen. 

Szenenfoto: Sowohl in «Aktenzeichen XY… ungelöst» als auch in «Vorsicht Falle!» wurde in den vergangenen Jahren schon oft vor Anrufen betrügerischer Call-Center aus der Türkei gewarnt.

Heilbronn (dpa) – Immer wieder gelingt es Betrügern, vor allem Senioren mit falschen Angaben am Telefon um viel Geld zu bringen. Eine besonders große Bande mit der Betrugsmasche «falsche Polizeibeamte» ist durch Hilfe aus Baden-Württemberg in der Türkei verurteilt worden. Die Opfer können nun auf finanzielle Entschädigung hoffen.

Ermittler aus Heilbronn hatten die Verurteilungen ermöglicht. Durch ihre Vorarbeit kamen insgesamt 67 Betrüger in Haft. Die Beschuldigten sollen aus einem türkischen Call-Center heraus in fünf deutschen Bundesländern rund 900.000 Euro erbeutet haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Heilbronn gestern mitteilten. Die Gruppierung soll für 16 vollendete und versuchte Taten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen verantwortlich sein.

Immer öfter Geldabholer gefasst  
Die Betrugsmasche:  Angebliche Polizisten rufen bei Rentnern an und gaukeln ihnen vor, Hab und Gut seien durch Verbrecher bedroht. So bringen sie das oft alleine lebende Opfer dazu, einem Boten Geld oder Wertsachen zu geben. Manche überzeugen ältere Menschen davon, dass die Polizei vermeintliches Falschgeld prüfen muss. Zuletzt gab es aber auch vermehrt Fälle, in denen Senioren den Betrug bemerkten und ihn zusammen mit der Polizei vereitelten.

Auf Grundlage der zentral in Heilbronn geführten Ermittlungen verurteilte das Landgericht im türkischen Izmir die 67 Beschuldigten bereits Ende September zu insgesamt 1.128 Jahren, 6 Monaten und 28 Tagen Haft. Außerdem wurden Geldstrafen in Höhe von mehr als 478 Millionen Türkischen Lira verhängt, wie die Behörden nun mitteilten. Umgerechnet sind das rund 25 Millionen Euro.

Verurteilungen auch in Deutschland  
Polizei und Staatsanwaltschaft in Heilbronn hatten bereits 2018 eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die sich mit solchen Fällen befasste. Die in Deutschland ermittelten Beschuldigten sollen vor allem das Geld bei den Betroffenen abgeholt haben und für die Logistik der Betrugsmasche tätig gewesen sein. Auch sie wurden – hierzulande – bereits verurteilt. Nähere Angaben zu den in Deutschland tätigen Beschuldigten konnten die Behörden auf Anfrage zunächst nicht machen.

Bei Durchsuchungen in der Türkei nahm die dortige Polizei unter anderem den Haupttäter des Betrugs fest und stellte Geld, Gold, Fahrzeuge und Immobilien im Wert von rund 105 Millionen Euro sicher. Damit sollen die vor allem älteren deutschen Opfer der Betrüger nun entschädigt werden. Wer Opfer eines Telefonbetrugs wurde, könne sich an die Polizei wenden, sagte ein Sprecher. Die Ermittler prüften dann, ob es sich in diesen Fällen um die Täter aus der Türkei handelte.

Foto:  Securitel / ZDF

22.11.22 wel