Faszination Feuer

Was Brandstifter umtreibt und warum das Risiko von Nachahmungstaten hoch ist

Berlin (Holger Mehlig/dapd). Hellersdorf. Usedom. Oder auch Sylt.  Im August verbreitete auf der Ferieninsel ein Feuerteufel Angst und Schrecken, der insgesamt 17 Brände gelegt haben soll. Der inzwischen festgenommene Tatverdächtige soll unter anderem bewohnte Häuser angesteckt und dabei Schäden in Höhe von mehreren hunderttausend Euro verursacht haben. Hass, Frust oder Ohnmacht können Auslöser für solche Taten sein, aber auch psychiatrische Erkrankungen, wie Psychologie-Professorin Bettina Hannover von der Freien Universität Berlin sagt.

Häufig seien Brandstiftungen politisch motiviert, sagt Hannover. Vor allem seien es junge Menschen, die sich auf diese Weise Gehör verschafften und ihre politische Überzeugung ausdrücken wollten. 40 Prozent der Brandstifter seien unter 18 Jahren. Viele von ihnen spürten auch ein Gefühl von Ohnmacht oder Ungerechtigkeit: Eine Person setzt frustrierende Erfahrungen in eine für sie sinnstiftende Aktion um“, erklärt Hannover.

Motiv mancher Brandstifter könne aber auch Langeweile sein, erläutert die Professorin. Durch eine solche Aktion erlebten sie eine Art von Selbstverwirklichung. Sie machten etwas, was sie am nächsten Tag in Zeitungen nachlesen könnten. Solche Menschen hätten häufig ein geringes Selbstwertgefühl und litten an einer narzistischen  Persönlichkeitsstörung.

Gefühl der Erregung
Manche Brandstifter seien psychisch krank, sagt Hannover. Sie litten an einer Kontrollstörung, entwickelten ein Gefühl der Erregung, wenn sie etwas in Brand setzen könnten. Sie müssten diesen Impuls befriedigen, auch wenn sie keinen Vorteil davon hätten.

Auch Faszination für Feuer spiele eine Rolle. Die Konsequenz sei, dass auch verhältnismäßig viel Feuerwehrleute zu Brandstiftern werden könnten, sagt die Expertin.

Harte Bestrafung der Täter gefordert
Gerade bei der Vielzahl der Brandstiftungen in Berlin sei von Nachahmungstätern auszugehen, sagt Hannover. Daher plädiere sie für eine harte Bestrafung der Täter. „Das sind Taten, die durch drastische Strafen weniger wahrscheinlich werden.“

Seit Ende März wurden in Berlin-Hellersdorf 60 Brände registriert. Angezündet wurden bevorzugt in Hausfluren abgestellte Kinderwagen, ganze Kellerverschläge oder auch Müllcontainer auf offener Straße. Im Usedomer Hinterland brannte es seit Juni sieben Mal. Zuerst wurden lediglich Strohballen und Unterholz, später Ställe und ein Wohnhaus angezündet. Die abseits der großen Badeorte gelegene Region mit ihren renovierten historischen reetgedeckten Häusern gilt als Insidertipp für Urlauber, die Ruhe suchen und die Halbinsel mit Rad, zu Fuß oder per Boot erkunden.

Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

21.10.2010 dv