Flammeninferno in Apolda

Vier Tote bei Wohnhausbrand – Verdächtiger stellt sich

Ein Wohnhaus, in dem sich fast 50 Menschen aufhalten, gerät am frühen Sonntagmorgen in Brand. Einen Tag nach der Katastrophe ist klar: Vier Menschen sind gestorben. Ein 35-jähriger Tatverdächtiger stellt sich. 

Beim Brand des Mehrfamilienhauses sind am frühen Sonntagmorgen mindestens vier Personen getötet und 13 Menschen verletzt worden.

VON KATRIN ZEIß  (dpa)
Die thüringische Kreisstadt Apolda steht unter Schock: Beim verheerenden Brand eines Wohnhauses sind vier Menschen ums Leben gekommen. Nachdem am Sonntag, dem Tag des Brandes, bereits der Tod von zwei Menschen bekannt wurde, sind gestern zwei weitere Tote entdeckt worden. Die stark verkohlten Leichen sind am Mittag im Dachgeschoss bei einer Begutachtung durch einen Brandursachen-Ermittler entdeckt worden, teilte die Polizei mit.

Die Polizei ermittelt wegen möglicher Brandstiftung. Ein 35 Jahre alter Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) gestern bei einem Besuch in Apolda. Der Mann hatte sich gestern der Polizei gestellt.

Mutmaßlicher Brandstifter stellt sich  
Zwar ermittle die Polizei in alle Richtungen, sagte Maier. Doch sei Brandstiftung nicht nur nicht auszuschließen, sondern «überwiegend wahrscheinlich». Nach Angaben der Kriminalpolizei Jena hatten die Ermittler bereits am Sonntag «zeitnah» durch Zeugenaussagen Hinweise auf den Verdächtigen erhalten. Der Polizei hätten auch Fotos von ihm vorgelegen.

Der Mann ist schließlich gestern Vormittag bei der Polizei in Jena erschienen. «Wir gehen davon aus, dass er zuvor Kontakt zu einer ihm nahestehenden Person gehabt hat, die ihn dahingehend beeinflusst hat», sagte Mirko Remmert, Leiter der Kriminalpolizei Jena. Der Mann selbst hat sich noch nicht geäußert.

Verdächtiger mit Kanistern auf Video  
Der 35-Jährige ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Erfurt vor der Tat von einer Überwachungskamera am späteren Brandort aufgenommen worden. Die Aufnahmen zeigen den Mann mit Benzinkanistern in der Hand beim Betreten des Hauses, sagte Sprecher Hannes Grünseisen. Durch die Aufnahmen waren die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen gekommen.

Gegen den bulgarischen Staatsbürger ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen worden. Gegen ihn wird wegen Mordes und Brandstiftung ermittelt. Er sollte nach der Verkündung des Haftbefehls in Untersuchungshaft gebracht werden.

Bis zur Unkenntlichkeit verbrannt 
Die drei Toten im Dachgeschoss – darunter ein bereits am Sonntag entdeckter Leichnam – wurden einem Polizeisprecher zufolge gestern mithilfe einer Drehleiter der Feuerwehr geborgen, ihre Identität ist bislang ungeklärt. Von der Straße aus konnte das Haus noch nicht betreten werden.

Der Brand in der 22.000 Einwohner zählenden Stadt war am frühen Sonntagmorgen ausgebrochen. Ein 53 Jahre alter Mann kam beim Versuch ums Leben, sich mit einem Sprung aus dem Fenster vor den Flammen zu retten. Knapp zwei Dutzend Menschen wurden nach Stand von gestern teils schwer verletzt, darunter laut Polizei acht Kinder im Alter bis 14 Jahre sowie zwei Feuerwehrleute.

Ersten Schultag gefeiert 
Nach Angaben vom Sonntag rettete die Feuerwehr 30 Menschen. In dem Haus hätten sich mehr Menschen aufgehalten als dort gemeldet waren, sagte der Polizeisprecher. Zu dem Zeitpunkt waren 44 Bewohner und fünf Besucher in dem Haus bekannt, wie Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe sagte. Gäste hätten gemeinsam mit Bewohnern Schuleinführung gefeiert.

Das Haus ist unbewohnbar, die Polizei schätzt den finanziellen Schaden auf rund zwei Millionen Euro. Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es viele Anfragen und Anrufe von Einwohnern, die den Brandopfern helfen oder für sie spenden wollen. Bei der Sparkasse Mittelthüringen wurde ein Spendenkonto eingerichtet.

Foto:  Bodo Schackow / dpa

30.08.22 wel